Anthropic holt den Mann, der Googles KI-Chips gebaut hat

Amir Salek lieferte sieben Generationen von Googles TPU-Chips. Jetzt wechselt er zu Anthropic, und der Claude-Hersteller plant damit eigene Chips.

Claude27. August 20263 Minuten Lesezeit

Im Wettlauf um eigene KI-Chips hat Anthropic einen Zug gemacht, der in der Branche gesessen hat: Der Hersteller von Claude holt Amir Salek, den Mann, der Googles Chip-Programm mit aufgebaut hat. Das berichtete Bloomberg am 21. August unter Berufung auf eine Mitteilung des Unternehmens.

Die Wortmarke von Anthropic auf hellem Grund
Bild: Anthropic

Salek ist keine Randfigur. Er führte Googles Geschäft mit den hauseigenen TPU-Beschleunigern bis 2022 und lieferte die ersten sieben Generationen dieser Chips aus, also genau der Prozessoren, auf denen heute unter anderem Gemini trainiert wird. Davor verbrachte er acht Jahre bei Nvidia, wo er den Bereich für System-on-a-Chip-Entwicklung gründete. Bei Anthropic wechselt er ins Rechenzentrums-Team und berichtet an James Bradbury.

7Generationen von Googles TPU-Chips hat Amir Salek verantwortet, dazu acht Jahre Chipentwicklung bei Nvidia. Bei Anthropic soll er nun das Fundament für eigene Halbleiter legen. Gemeldet am 21. August 2026.

Gekauft wird bei drei Lieferanten, gebaut bald selbst

Anthropic bezieht seine Rechenleistung heute von Nvidia, Google und Amazon, ein teurer Dreiklang, der mit jedem neuen Modell teurer wird. Zuletzt hatte die Firma offen erklärt, ein eigenes Halbleitergeschäft aufbauen zu wollen, und begonnen, dafür Stellen auszuschreiben. Die Personalie macht aus der Absichtserklärung einen Fahrplan: Man verpflichtet keinen Mann dieses Kalibers, um weiter nur einzukaufen.

Das Muster kennt man. Google baut seit Jahren TPUs, Amazon seine Trainium-Chips, und OpenAI hat mit Broadcom gerade die ersten Messwerte des eigenen Jalapeño-Chips vorgelegt. Anthropic war unter den großen Laboren zuletzt das einzige ohne eigenes Chip-Programm.

Zum Weiterdenken: Wenn alle großen KI-Labore eigene Chips bauen, wer kauft dann in fünf Jahren noch bei Nvidia? Und was heißt das für die Preise der Rechenleistung, die am Ende jeder mitzahlt, der KI nutzt?

Bis ein erster Anthropic-Chip in einem Rechenzentrum steckt, vergehen erfahrungsgemäß Jahre, bei OpenAI dauerte es von der Ankündigung bis zu den ersten Messwerten knapp ein Jahr, bei Google einst deutlich länger. Interessant wird die Zwischenzeit: Jede Meldung über Anthropics Fortschritt ist ab jetzt auch eine Nachricht über Nvidias künftige Kundschaft.

Selbst getestet und geprüft von Phil zuletzt am 27. August 2026