Wie Österreich KI wirklich nutzt

Erstmals liegen Nutzungsdaten eines großen KI-Anbieters nach Bundesland vor. Sie zeigen ein Land, das künstliche Intelligenz seltener für die Arbeit einsetzt als der Rest der Welt.

Rang 25

von 121 Ländern, Nutzungsindex 2,61

37,2 %

der Nutzung entfallen auf Arbeit, weltweit sind es 43,4 %

62 %

der österreichischen Nutzung kommen aus Wien

18,2 %

entfallen auf Ausbildung, in den USA nur 8,9 %

Selbst getestet und geprüft von Phil zuletzt am 19. August 20267 Minuten Lesezeit

Worum es geht

Über KI-Nutzung in Österreich wird viel behauptet und wenig gezählt. Die gängigen Zahlen stammen aus Umfragen, in denen Menschen angeben, was sie zu tun glauben. Wie oft und wofür KI tatsächlich benutzt wird, steht dort nicht.

Seit Kurzem gibt es dazu offene Daten. Anthropic, der Anbieter des KI-Assistenten Claude, veröffentlicht unter dem Namen Economic Index, für welche Art von Aufgaben sein Dienst verwendet wird, aufgeschlüsselt nach Land. Für Österreich gibt es diese Aufschlüsselung auch nach Bundesland.

Wir haben diese Daten für Österreich aufbereitet. Eine österreichische Auswertung davon haben wir nirgends gefunden.

Woher die Zahlen kommen

  1. Anthropic Economic Index, Stand 1. Mai 2026
  2. 121 Länder, 923 Berufe, Lizenz CC BY 4.0
  3. Beobachtete Nutzung, keine Umfrage
  4. Für Österreich sechs Bundesländer veröffentlicht
  5. Abgerufen und geprüft am 19. August 2026

Österreich arbeitet weniger damit als der Rest der Welt

Weltweit entfallen 43,4 Prozent der Nutzung auf Arbeit. In Österreich sind es 37,2 Prozent, der niedrigste Wert der vier verglichenen Länder. Dafür liegt der private Anteil mit 44,6 Prozent über dem weltweiten Wert von 40,2 Prozent.

Der zweite Unterschied ist noch deutlicher. Auf Ausbildung entfallen in Österreich 18,2 Prozent, in den USA 8,9 Prozent. Für Österreich ist KI also gut doppelt so oft eine Lernhilfe wie für die Vereinigten Staaten.

Nutzungsindex und Aufteilung der Nutzung, Stand Mai 2026
LandIndexArbeitprivatAusbildung
Schweiz5,0238,8 %43,9 %17,3 %
USA3,8741,3 %49,7 %8,9 %
Österreich2,6137,2 %44,6 %18,2 %
Deutschland2,4037,6 %48,7 %13,7 %
Weltweit1,0043,4 %40,2 %16,5 %

Der Index ist der Anteil an der weltweiten Nutzung, geteilt durch den Anteil an der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. 1,0 bedeutet genau so viel Nutzung, wie die Bevölkerungsgröße erwarten lässt.

Wien stellt fast zwei Drittel

62,0 Prozent der in Österreich beobachteten Nutzung kommen aus Wien. Niederösterreich folgt mit 11,7 Prozent, Oberösterreich mit 7,1 Prozent. Das ist Menge, nicht Nutzung je Kopf: In Wien wohnen mehr Menschen, also fällt dort mehr an.

Interessanter sind deshalb die Anteile innerhalb der Bundesländer. Tirol hat mit 23,2 Prozent den mit Abstand höchsten Ausbildungsanteil, deutlich über dem österreichischen Wert von 18,2 Prozent. Die Steiermark arbeitet am meisten damit, 41,6 Prozent, während Wien mit 36,1 Prozent den niedrigsten Arbeitsanteil hat.

Die sechs veröffentlichten Bundesländer, Stand Mai 2026
BundeslandAnteilArbeitAusbildungabgebend
Wien62,0 %36,1 %18,2 %45,3 %
Niederösterreich11,7 %37,9 %17,7 %44,3 %
Oberösterreich7,1 %37,4 %18,5 %50,1 %
Steiermark6,1 %41,6 %18,4 %47,8 %
Tirol4,1 %36,2 %23,2 %44,7 %
Salzburg3,8 %40,9 %15,7 %48,9 %

Kärnten, Vorarlberg und das Burgenland liegen unter der Veröffentlichungsschwelle. Die sechs Bundesländer decken zusammen 94,8 Prozent der beobachteten Nutzung ab.

Oberösterreich lässt die Arbeit häufiger machen

Der Datensatz unterscheidet zwei Arten, mit einem KI-Assistenten umzugehen. Begleitend heißt, der Mensch bleibt an der Aufgabe dran. Abgebend heißt, er gibt sie weiter und lässt sie erledigen.

In fünf der sechs Bundesländer überwiegt das Begleitende. Oberösterreich ist das einzige, in dem es umgekehrt ist: 50,1 Prozent abgebend gegenüber 49,9 Prozent begleitend. Der Abstand ist klein, aber Oberösterreich ist damit das einzige Bundesland auf dieser Seite der Grenze. Am anderen Ende steht Niederösterreich mit 44,3 Prozent abgebend.

Dazu passt ein zweiter Wert. In Oberösterreich stammen 28,6 Prozent der Nutzung aus dem Bereich Computer und Mathematik, in Wien 22,4 Prozent.

Was diese Zahlen nicht sagen

Die Daten kommen von einem einzigen Anbieter. Über ChatGPT, Gemini oder Copilot steht darin nichts. Wer sie als die KI-Nutzung Österreichs liest, liest sie falsch.

Sie sagen auch nichts über Menschen. Gezählt wird, wofür der Dienst benutzt wird, nicht von wem. Wer damit eine Aufgabe aus einem Beruf erledigt, muss diesen Beruf nicht haben. Was das für Arbeitsplätze heißt, steht hier also nicht drin.

Ein Nachsatz für alle, die damit weiterrechnen: Die Werte sind eine Momentaufnahme vom Mai 2026, kein Verlauf. Ob etwas steigt oder fällt, lässt sich daraus nicht sagen.

Für Redaktionen

Tabellen als CSV, Faktenblatt und die vollständige Belegdatei mit allen Rohwerten.

Zum Pressebereich →

Häufige Fragen

Woher stammen diese Zahlen?
Aus dem Anthropic Economic Index, einem offen veröffentlichten Datensatz zur beobachteten Nutzung des KI-Assistenten Claude. Er wertet anonymisierte, zusammengefasste Gesprächsinhalte aus und ordnet sie Berufsaufgaben zu. Der Stand ist der 1. Mai 2026, abgerufen haben wir ihn am 19. August 2026. Die Lizenz ist CC BY 4.0, die Daten dürfen also mit Quellenangabe verwendet werden.
Sind das Zahlen zur KI-Nutzung insgesamt?
Nein, und das ist die wichtigste Einschränkung. Der Datensatz zeigt die Nutzung eines einzigen Anbieters. Über ChatGPT, Gemini oder Copilot sagt er nichts, über Marktanteile ebenfalls nichts. Wer die Zahlen als Aussage über die gesamte KI-Nutzung in Österreich liest, liest sie falsch. Richtig ist: Erstmals liegen Nutzungsdaten eines großen KI-Anbieters nach Bundesland vor.
Was bedeutet der Nutzungsindex?
Der Anteil eines Landes an der weltweit beobachteten Nutzung, geteilt durch seinen Anteil an der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. Ein Wert von 1,0 bedeutet: genau so viel Nutzung, wie die Bevölkerungsgröße erwarten lässt. Österreich liegt bei 2,61, also beim Zweieinhalbfachen. Länder werden dabei mit Ländern verglichen, niemals mit Bundesländern.
Was heißt begleitend und abgebend?
Das sind zwei Gesprächsarten, keine Aussagen über Arbeitsplätze. Begleitend heißt, der Mensch bleibt an der Aufgabe dran und arbeitet mit. Abgebend heißt, er gibt die Aufgabe weiter und lässt sie erledigen. Beides zusammen ergibt hundert Prozent.
Warum fehlen Kärnten, Vorarlberg und das Burgenland?
Sie liegen unter der Veröffentlichungsschwelle des Datensatzes. Das heißt, es gab dort zu wenig beobachtete Nutzung für eine belastbare Angabe. Es heißt ausdrücklich nicht, dass dort niemand KI nutzt. Die sechs veröffentlichten Bundesländer decken zusammen 94,8 Prozent der in Österreich beobachteten Nutzung ab.
Kann man daraus ablesen, ob KI Arbeitsplätze kostet?
Nein. Der Datensatz misst, für welche Art von Aufgaben KI genutzt wird, nicht wer sie nutzt und schon gar nicht, was mit Stellen passiert. Wer in einer Unterhaltung eine Aufgabe aus einem Beruf bearbeitet, muss diesen Beruf nicht ausüben. Es gibt außerdem keine Zeitreihe, also lässt sich weder eine Zunahme noch eine Abnahme belegen.
Darf ich diese Zahlen verwenden?
Ja. Der Datensatz steht unter CC BY 4.0, unsere Aufbereitung darf mit Quellenangabe (KI-Alltag, August 2026, nach Anthropic Economic Index) und Verweis auf diese Seite übernommen werden. Tabellen als CSV und ein Faktenblatt liegen im Pressebereich.

Datengrundlage: Anthropic Economic Index, Stand 1. Mai 2026, abgerufen am 19. August 2026, Lizenz CC BY 4.0. anthropic.com/economic-index