KI in der Schule: beschlossen, aber noch nicht da.

Österreich hat im Juli 2026 ein eigenes Schulfach für künstliche Intelligenz beschlossen. Unterrichtet wird es frühestens im Herbst 2027, und nur in der AHS-Oberstufe.

  • 3 Wochenstunden bisher waren es zwei
  • 2027 erster Jahrgang fünfte Klassen, 1. September
  • 8 Stunden im Jahr Mindestmaß in Peking

Der Beschluss

Was beschlossen ist

Der Nationalrat hat am 7. Juli 2026 zwei neue Unterrichtsfächer für die AHS-Oberstufe beschlossen, der Bundesrat hat am 16. Juli zugestimmt. Eines davon heißt „Informatik und Künstliche Intelligenz“.

Leeres Klassenzimmer von hinten, Sesselreihen vor einer leeren Tafel, Globus und Bücher auf einem Regal

Das Fach ist kein neues Fach neben dem Stundenplan. Der bestehende Informatikunterricht wird um das Thema KI erweitert, umbenannt und von zwei auf drei Wochenstunden aufgestockt. Die Gesamtzahl der Wochenstunden bleibt gleich, andere Fächer geben also ab.

Der Fahrplan

Wann es welche Klasse trifft

Der Lehrplan tritt gestaffelt in Kraft, Jahrgang für Jahrgang. Wer jetzt in der Oberstufe sitzt, bekommt das Fach nicht mehr.

JahrgangIn Kraft ab
Fünfte Klassen1. September 2027
Sechste Klassen1. September 2028
Siebente Klassen1. September 2029
Achte Klassen1. September 2030

Als der Nationalrat am 7. Juli abstimmte, stand weder das Stundenausmaß noch der Inhalt fest. Sigrid Maurer von den Grünen hat das in der Debatte kritisiert, Bildungsminister Christoph Wiederkehr hat bestätigt, dass die Inhalte erst danach per Verordnung kommen. Der Lehrplanentwurf wurde am 15. Juli veröffentlicht, die Begutachtungsfrist lief bis 11. August 2026. Wer im Juli gelesen hat, das Fach habe drei Wochenstunden, hat das aus dem Entwurf, nicht aus dem Gesetz.

Der Inhalt

Sieben Lernfelder

Der Lehrplan stützt sich auf das österreichische KI-Basiscurriculum, entwickelt von der Universität für Weiterbildung Krems. Es richtet sich an Menschen ohne technisches Vorwissen und nennt sieben Bereiche.

  • KI erkennen und verstehen
  • Verantwortungsvoll mit KI umgehen
  • KI-gestützte Informationen reflektieren und bewerten
  • Kommunizieren und kooperieren mit KI
  • Kreativ gestalten mit generativer KI
  • Prozesse gestalten und Entscheidungen treffen mit KI
  • Lernen, leben und Beziehungen pflegen mit und trotz KI

Auffällig am letzten Punkt: „Lernen, leben und Beziehungen pflegen mit und trotz KI“. Das Wort „trotz“ steht dort mit Absicht.

Der Vergleich

Was China schon macht

Chinas Bildungsministerium hat im Mai 2025 zwei Richtlinien erlassen: eine zur allgemeinen KI-Bildung an Grund- und Mittelschulen, eine zum Einsatz generativer KI im Unterricht. Gedacht ist ein aufsteigendes System, von Neugier in der Volksschule über technische Grundlagen in der Mittelstufe bis zu eigenen Anwendungen in der Oberstufe.

Die viel zitierte Zahl von acht Stunden im Jahr ab sechs Jahren steht nicht in diesen Richtlinien. Sie kommt von der Pekinger Bildungskommission, gilt seit 1. September 2025 und betrifft über 1.400 Schulen in der Stadt. Der Unterricht darf eigenständig stattfinden oder in andere Fächer eingebaut werden. Das ist eine Vorgabe für Peking, keine landesweite Stundenzahl.

Was dort verboten ist

  • Kinder in der Volksschule dürfen Werkzeuge, die frei Inhalte erzeugen, nicht selbstständig verwenden.
  • Lehrkräfte dürfen KI nicht an ihrer Stelle unterrichten lassen und Schülerfragen nicht direkt von einer KI beantworten lassen.
  • Bewertungen von Schülern sollen nicht auf KI-erzeugten Texten beruhen.
  • Persönliche Daten und Prüfungsfragen dürfen nicht in KI-Werkzeuge eingegeben werden.

Österreich hängt KI an ein bestehendes Fach in einer Schulform, der AHS-Oberstufe, und beginnt 2027. Peking schreibt ein Mindestmaß für alle Schulstufen vor und hat 2025 begonnen. Die österreichische Lösung geht tiefer, sie erreicht aber weder Volksschule noch Mittelschule, Lehre oder BHS.

In der Praxis

Was das für dich heißt

Als Elternteil

Bis 2027 passiert im Zeugnis nichts. Was dein Kind über KI weiß, lernt es bis dahin von dir, von Freunden oder von niemandem.

Als Lehrkraft

Das KI-Basiscurriculum ist öffentlich und kostenlos abrufbar. Es ist als Orientierung für Leute ohne technisches Vorwissen geschrieben, nicht als Fachtext.

Als Betrieb mit Lehrlingen

Die Lehre ist von dieser Reform nicht erfasst. Wer will, dass Lehrlinge mit KI umgehen können, muss das selbst regeln.

Ehrlich gesagt

Wie sicher diese Angaben sind

Ob der Lehrplan nach der Begutachtung unverändert erlassen wurde, habe ich nicht geprüft. Die Zahlen oben stammen aus dem Entwurf vom 15. Juli 2026. Ebenso wenig weiß ich, wie viele Schulen im Herbst 2027 überhaupt Lehrkräfte dafür haben. Wer eine belastbare Auskunft für eine bestimmte Schule braucht, fragt dort direkt nach, nicht hier.

Wenn du selbst verstehen willst, worum es in dem Fach geht, fang hier an: Was künstliche Intelligenz eigentlich ist.

Belege

Quellen mit Datum

  • Parlament Österreich, Nationalrat beschließt zwei neue Unterrichtsfächer, 7. Juli 2026 (PK0699)
  • Parlament Österreich, Mehrheit im Bundesrat für neue Unterrichtsfächer, 16. Juli 2026 (PK0750)
  • schule.at, Neuer Lehrplan „Informatik und Künstliche Intelligenz“, 15. Juli 2026, Quelle Bildungsministerium
  • Global Times, China issues guidelines to promote AI education in primary and secondary schools, 12. Mai 2025
  • Beijing Municipal Education Commission, Mindestmaß acht Unterrichtsstunden im Jahr ab 1. September 2025, berichtet von China Daily

Selbst getestet und geprüft von Phil zuletzt am 25. August 2026Quellen im Original gelesen