Wie viele Betriebe sperren ChatGPT aus, ohne es zu wissen?
Wir haben 992 österreichische Betriebs-Websites geprüft — vom Gasthaus bis zur Zahnarztpraxis. Eine eigene Erhebung von KI-Alltag, 13. August 2026.
992
Websites geprüft, aus 19.402 Betrieben gezogen
12,9 %
sperren mindestens einen KI-Dienst aus
9 von 10
dieser Sperren stehen in keiner robots.txt
11,9 %
der hinterlegten Websites sind tot
Selbst getestet und geprüft von Philzuletzt am 13. August 20268 Minuten Lesezeit
Worum es geht
Immer mehr Menschen fragen nicht mehr Google, sondern ChatGPT: Wo gibt es hier gutes Brot? Welcher Installateur kommt schnell? Damit ein Betrieb in so einer Antwort vorkommen kann, muss das Suchprogramm von ChatGPT seine Website lesen dürfen.
Jede Website hat dafür eine Art Türsteher. Er entscheidet, welche Programme hereindürfen. Das Ärgerliche: Bei vielen Betrieben steht dieser Türsteher auf stur, ohne dass es jemand bestellt hat — die Firma, bei der die Website liegt, hat ihn so eingestellt.
Wie oft das in Österreich vorkommt, hat bisher niemand gezählt. Für Deutschland gibt es eine Erhebung, für Österreich nicht. Deshalb haben wir selbst gezählt.
So wurde geprüft
- 19.402 Betriebe mit Website aus OpenStreetMap gezogen
- Zufallsstichprobe: 992 Adressen aus 16 Branchen
- Jede Website als normaler Browser besucht
- Dann noch einmal mit der Kennung jedes KI-Dienstes
- Unterschiede notiert, Ergebnisse doppelt gegengeprüft
Der wichtigste Befund: die Sperren stehen nirgends
12,9 Prozent der erreichbaren Websites sperren mindestens einen der vier Dienste aus, über die Menschen heute suchen. Das allein wäre eine Randnotiz. Bemerkenswert ist, wo gesperrt wird: Nur 1,0 Prozent der Seiten sperren über die robots.txt, die Datei, die jedes Prüfwerkzeug lesen kann. 11,9 Prozent sperren auf dem Server selbst — unsichtbar für jedes kostenlose Prüfwerkzeug, das wir gefunden haben, und in aller Regel auch für den Betrieb.
Anders gesagt: Von zehn betroffenen Betrieben könnten neun in jedes verfügbare Prüfwerkzeug ihre Adresse eintippen und bekämen ein grünes Häkchen. Gesperrt sind sie trotzdem.
| Dienst | gesperrt | was der Dienst macht |
|---|---|---|
| ChatGPT-Suche | 3,9 % | entscheidet, ob ChatGPT einen Betrieb empfehlen kann |
| ChatGPT-Abruf beim Anklicken | 3,7 % | holt eine Seite, wenn jemand in ChatGPT auf den Link geht |
| Perplexity | 2,1 % | Suchdienst mit Quellenangaben |
| Claude | 11,1 % | der Assistent von Anthropic |
| ChatGPT-Training (GPTBot) | 11,4 % | sammelt Texte fürs Lernen, nicht fürs Finden |
| Gemini-Training | 2,6 % | dasselbe bei Google |

Es hängt nicht am Betrieb, sondern am Anbieter
Ob eine Website sperrt, entscheidet fast nie der Bäcker oder die Wirtin. Es entscheidet die Firma, bei der die Website liegt. Die Unterschiede sind drastisch:
| Anbieter | Seiten | ChatGPT-Suche | Claude | |
|---|---|---|---|---|
| Cloudflare | 48 | 44 % | 15 % | sperrt genau den Dienst, über den Kunden suchen |
| Hetzner | 114 | 3 % | 46 % | sperrt Training und Claude, lässt die ChatGPT-Suche durch |
| Host Europe | 33 | 0 % | 27 % | |
| IONOS | 122 | 1 % | 2 % | |
| World4You/Muennich | 60 | 0 % | 8 % | |
| A1 | 36 | 0 % | 0 % |
Zwei Muster fallen auf. Bei Websites hinter Cloudflare wird in 44 Prozent der Fälle genau der Dienst abgewiesen, mit dem ChatGPT nach Betrieben sucht — die Sperre, die tatsächlich Kunden kosten kann. Hetzner dagegen, oft als großer Blockierer genannt, sperrt vor allem die Trainings-Programme und lässt die ChatGPT-Suche durch. Wer dort liegt, ist für Kunden auffindbar.
Der teuerste Irrtum
Fünfzehn Betriebe in der Stichprobe haben bewusst den Trainings-Sammler GPTBot ausgesperrt — ein verständlicher Wunsch: Die eigenen Texte sollen kein Modell trainieren. Acht davon, mehr als die Hälfte, haben dabei auch die ChatGPT-Suche mit ausgesperrt.
Sie wollten ihre Inhalte schützen und haben sich aus den Antworten gelöscht, in denen Kunden nach ihnen suchen. Der Fehler passiert, weil beide Programme von OpenAI stammen und fast überall in einen Topf geworfen werden.
Jede achte Website ist tot
Ein Nebenbefund, der uns selbst überrascht hat: 118 der 992 Adressen — 11,9 Prozent — antworten gar nicht mehr. Bei 90 davon existiert die Adresse nicht mehr, der Rest liefert nur noch Fehlermeldungen.
Diese Betriebe stehen mit ihrer alten Adresse in Karten und Verzeichnissen. Wer dort klickt, landet im Leeren — egal ob er von Google kommt oder von einer KI. Am häufigsten betroffen: Gasthäuser, Friseure, Werkstätten und Bäckereien.
Was diese Erhebung nicht sagt
Gemessen wurde die technische Erreichbarkeit der Startseite, nicht, ob ein Betrieb tatsächlich empfohlen wird — wer erreichbar ist, wird nicht automatisch genannt. Betriebe ohne Website in OpenStreetMap sind nicht enthalten. Und die Zahlen sind eine Momentaufnahme vom 13. August 2026: Anbieter ändern solche Voreinstellungen ohne Ankündigung.
Zur Genauigkeit: Bei 874 auswertbaren Seiten liegt der wahre Anteil gesperrter Websites mit 95-prozentiger Sicherheit zwischen 10,7 und 15,2 Prozent. Die Ergebnisse wurden doppelt gegengeprüft — unter anderem wurde nach jedem Durchlauf kontrolliert, dass ein normaler Browser weiterhin hereinkommt, damit keine Seite fälschlich als gesperrt zählt.
Häufige Fragen zur Erhebung
Was heißt hier gesperrt?
Dass der Server die Anfrage eines KI-Dienstes abweist, während ein normaler Browser dieselbe Seite bekommt. Wir haben jede Website zweimal besucht: einmal als gewöhnlicher Browser, einmal mit der Kennung des jeweiligen KI-Dienstes. Kam der Browser durch und der Dienst nicht, zählt die Seite als gesperrt.
Woher stammen die geprüften Adressen?
Aus OpenStreetMap, dem offenen Kartenprojekt. Dort sind 19.402 österreichische Betriebe mit eigener Website eingetragen, vom Gasthaus bis zur Tischlerei. Daraus wurde eine Zufallsstichprobe von 992 Adressen gezogen, so verteilt, dass jede der sechzehn Branchen vertreten ist.
Warum reicht ein Blick in die robots.txt nicht?
Die robots.txt ist eine Textdatei mit Bitten an Suchprogramme, und die kostenlosen Prüfwerkzeuge lesen nur diese Datei. Die meisten Sperren stehen aber gar nicht dort, sondern passieren auf dem Server selbst, meist durch eine Voreinstellung des Anbieters, bei dem die Website liegt. Von den 12,9 Prozent gesperrten Seiten wären nur 1,0 Prozent über die robots.txt zu finden gewesen.
Mein Betrieb könnte betroffen sein. Was tue ich?
Beim Anbieter anrufen, bei dem die Website liegt, und fragen, ob KI-Dienste wie der OAI-SearchBot blockiert werden. Wer die Website von einer Agentur betreuen lässt, stellt dieselbe Frage dort. Die Sperre ist in der Regel eine Einstellung, die sich abschalten lässt.
Darf ich diese Zahlen verwenden?
Ja. Zahlen und Tabellen dürfen mit Quellenangabe (KI-Alltag, August 2026) und Verweis auf diese Seite übernommen werden. Wer die Rohdaten oder eine Auswertung für ein bestimmtes Bundesland braucht, bekommt sie auf Anfrage.
Rückfragen zur Methode, Rohdaten oder eine Auswertung für ein bestimmtes Bundesland: schreib uns. Für Redaktionen stellen wir die Tabellen auch als Druckvorlage bereit.