In Österreich heißt es Dienstzeugnis, nicht Arbeitszeugnis. Und es gilt etwas anderes als in Deutschland: Eine Benotung steht einem gar nicht zu, dafür darf nichts drinstehen, was die Jobsuche erschwert.
Selbst getestet und geprüft von Phil zuletzt am 21. August 20266 Minuten Lesezeit
- Phase
- Im Alltag anwenden
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- 6 Minuten
- Zuletzt geprüft
- 21. August 2026
Wer in Österreich eine Stelle verlässt, bekommt auf Verlangen ein Dienstzeugnis. Viele lesen dann im Internet nach, was die Formulierungen bedeuten, landen auf deutschen Seiten und erschrecken. Das ist meist unnötig, weil in Österreich andere Regeln gelten als in Deutschland.
Was das Gesetz verlangt
Für Angestellte steht es in § 39 Angestelltengesetz: Der Dienstgeber muss auf Verlangen nach Ende des Dienstverhältnisses ein schriftliches Zeugnis über Dauer und Art der Dienstleistung ausstellen. Für Arbeiter gilt sinngemäß § 1163 ABGB.
Zwei Wörter sind entscheidend: Dauer und Art. Also von wann bis wann, und was man gemacht hat. Mehr schuldet der Dienstgeber nicht.
Dienstzeugnis anfordern
„Auf Verlangen" heißt: Man muss danach fragen. Viele Betriebe stellen es von selbst aus, ein durchsetzbarer Anspruch entsteht aber erst mit der Aufforderung. Am besten schriftlich, ein Satz genügt:
Sehr geehrte Frau …, ich ersuche Sie um Ausstellung eines Dienstzeugnisses über Dauer und Art meiner Tätigkeit für den Zeitraum von … bis … Bitte senden Sie es an folgende Adresse: …
Wer das Zeugnis für eine Bewerbung im Ausland braucht, kann um eine englische Fassung bitten. Ein Anspruch darauf besteht nicht, viele größere Betriebe machen es trotzdem.
Warum die deutschen Zeugnis-Codes hier nicht passen
In Deutschland kann man ein qualifiziertes Zeugnis verlangen, also eines mit Bewertung von Leistung und Verhalten. Weil dort gleichzeitig nichts offen Schlechtes stehen darf, hat sich die bekannte Ersatzsprache entwickelt: „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit" heißt sehr gut, „bemüht" heißt schlecht.
In Österreich gibt es keinen Anspruch auf eine Bewertung. Wer ein einfaches Zeugnis bekommt, in dem nur Zeitraum und Tätigkeit stehen, hat genau das erhalten, was ihm zusteht. Bei höher qualifizierten Tätigkeiten ist eine Beurteilung üblich, aber sie bleibt freiwillig.
Daraus folgt etwas Praktisches: Steht in einem österreichischen Dienstzeugnis eine Beurteilung, hat der Dienstgeber sie freiwillig hineingeschrieben. Meistens, weil er etwas Gutes sagen wollte. Die Formulierungen aus deutschen Code-Listen eins zu eins zu übertragen, führt hier in die Irre.
Was nicht drinstehen darf
Eintragungen und Anmerkungen, durch die die Erlangung einer neuen Stelle erschwert wird, sind unzulässig. Das ist der zweite große Unterschied. Nicht zulässig sind deshalb unter anderem:
- der Grund der Beendigung, wenn er ungünstig ist
- Hinweise auf Krankenstände, Karenz oder Betriebsratstätigkeit
- versteckte Abwertungen und Andeutungen
- alles, was nicht der Wahrheit entspricht
Steht so etwas im Zeugnis, kann man ein neues verlangen. Der richtige Weg dafür führt über die Arbeiterkammer oder die Gewerkschaft, die das kostenlos prüfen, nicht über ein Werkzeug im Internet.
Was eine KI dabei kann
Ein Sprachmodell geht einen Text Satz für Satz durch und sagt, was üblicherweise gemeint ist. Es weiß aber nicht, was dein Dienstgeber gedacht hat, und es kennt deinen Fall nicht. Es ersetzt keine Prüfung durch die AK.
Sinnvoll sind deshalb konkrete Fragen:
- Welche Tätigkeiten werden genannt, und welche fehlen im Vergleich zu meiner Stellenbeschreibung?
- Steht ein Beendigungsgrund drin?
- Gibt es Formulierungen, die als Abwertung gelesen werden könnten?
- Welche Angaben aus meinem Zeugnis kann ich für den Lebenslauf übernehmen?
Vorher die Namen entfernen. Ein Dienstzeugnis enthält deinen vollen Namen, oft das Geburtsdatum und den Firmennamen. Bevor man es irgendwo hineinkopiert, ersetzt man diese Angaben durch Platzhalter. Für die Frage, was die Sätze bedeuten, braucht das Modell sie nicht.
Wenn du gerade Unterlagen zusammenstellst
Das Dienstzeugnis ist ein Teil der Mappe. Die anderen beiden sind der Lebenslauf und das Bewerbungsschreiben, und dort lohnt sich die Mühe mehr, weil du sie selbst in der Hand hast.
Häufige Fragen
- Wie fordere ich mein Dienstzeugnis an?
- Schriftlich, mit Zeitraum und Zustelladresse. Ein Satz genügt. Das Gesetz spricht von „auf Verlangen“, ein Anspruch entsteht also erst mit der Aufforderung.
- Wie schnell muss der Dienstgeber es ausstellen?
- Ohne unnötigen Aufschub nach Ende des Dienstverhältnisses. Passiert längere Zeit nichts, hilft eine schriftliche Nachfrist und danach die Arbeiterkammer.
- Kann ich in Österreich eine Note im Zeugnis verlangen?
- Nein. Der Anspruch umfasst Dauer und Art der Dienstleistung. Eine Beurteilung der Leistung ist freiwillig. Bitten kann man darum, erzwingen nicht.
- Bekomme ich auch eine englische Fassung?
- Einen Anspruch gibt es nicht. Wer im Ausland arbeiten will, fragt trotzdem danach, viele größere Betriebe stellen sie aus.
- Was mache ich, wenn im Zeugnis etwas Falsches steht?
- Berichtigung verlangen. Angaben, die die Suche nach einer neuen Stelle erschweren, sind unzulässig. Bei Streit prüft die Arbeiterkammer kostenlos.
- Darf ich mein Dienstzeugnis in ChatGPT hineinkopieren?
- Technisch ja, sinnvollerweise nur ohne Namen, Geburtsdatum und Firma. Für die Frage, was die Formulierungen bedeuten, sind diese Angaben nicht nötig.
Lebenslauf-Paket
Der Editor macht aus deinen Angaben ein gesetztes PDF, das man abschicken kann. Kein Textkasten, sondern eine fertige Datei.
Zuletzt geprüft am 21. August 2026. KI-Anbieter ändern Preise und Funktionen laufend – wenn dir etwas auffällt, das nicht mehr stimmt, schreib mir kurz.