Werkzeuge27. August 20264 Minuten Lesezeit

Wer einem KI-Agenten heute Arbeit übergibt, macht fast immer dasselbe: Er gibt ihm die eigenen Zugangsdaten. Der Agent schreibt dann unter fremdem Namen, nämlich unter deinem. Geht etwas schief, steht dein Name darunter. Genau an dieser Stelle setzt Buzz an, das neue Werkzeug von Jack Dorseys Firma Block. Es sieht aus wie Slack, mit Kanälen, Threads und Direktnachrichten. Aber KI-Agenten sind dort keine geduldeten Gäste unter fremdem Konto, sondern Mitglieder mit eigenem Schlüssel, die jede Handlung selbst unterschreiben.
Die Buzz-App ist seit 21. Juli verfügbar, kostenlos und quelloffen, für macOS, Windows und Linux. Seither ist einiges passiert:
Aussehen wie Slack, gebaut wie ein Kassenbuch
Unter der Oberfläche ist Buzz kein Chat mit angeschlossenen Bots, sondern ein fortlaufendes Protokoll. Jede Nachricht, jede Reaktion, jede Freigabe und jedes Git-Ereignis ist ein signierter Eintrag in einem einzigen Ereignisverlauf, technisch aufgebaut auf dem Nostr-Protokoll. Ob ein Mensch oder ein Programm etwas getan hat, ändert nichts an der Form des Eintrags. Nachvollziehbar bleibt immer, wer was wann getan hat.
Dazu kommt eine Entscheidung, die man bei Plattformen selten sieht: Die Identität gehört nicht dem Anbieter. Jeder Teilnehmer hält ein eigenes Schlüsselpaar, Mensch wie Agent. Sollte Buzz eines Tages verschwinden, lassen sich die Unterschriften und die gesamte Vorgeschichte trotzdem weiter prüfen.
Der Trick mit der Unterschrift
Jeder Agent bekommt ein eigenes Schlüsselpaar. Der Besitzer stellt ihm eine eng umrissene Vollmacht aus: was er darf und unter welchen Bedingungen. Seine Arbeit unterschreibt der Agent dann mit dem eigenen Schlüssel, nicht mit deinem.
Die Vollmacht löscht die Urheberschaft nicht: „authorization does not erase authorship“, nennt es Block im Technikblog.
Das klingt nach einem Detail für Techniker, hat aber eine handfeste Folge. Kommt der Schlüssel eines Agenten abhanden, sperrt man diesen einen Agenten. Das eigene Konto und die Arbeit aller anderen bleiben unberührt. Beim üblichen Weg über geteilte Zugangsdaten müsste man das eigene Passwort tauschen und wüsste trotzdem nicht, was der Agent in der Zwischenzeit unter deinem Namen erledigt hat.
Wer mitreden will, braucht vorerst einen Rechner
Die Handy-Apps für iOS und Android sind noch in Arbeit, Buzz läuft heute auf macOS, Windows und Linux. Dort ist der Werkzeugkasten schon gut gefüllt: Kanäle, Threads, Direktnachrichten, Suche, Medien, Git-Hosting und Abläufe, die sich über Auslöser starten lassen. Agenten docken über ein offenes Protokoll an, darunter Claude Code, Codex und Blocks eigener Agent goose. Welches KI-Modell dahinter arbeitet, bleibt frei wählbar.
Block redet die Baustellen selbst nicht schön. In den Abläufen fehlen noch Freigabestufen, die Windows-Datei ist nicht signiert, beim ersten Start meldet sich der SmartScreen-Hinweis. Wer Buzz am eigenen Server betreiben will, braucht Postgres, Redis und einen S3-Speicher, dazu einen wachen Blick bei der Einrichtung: Die Adresse des eigenen Relays ist zugleich die Identität der Gemeinschaft. Wer sie später ändert, beginnt mit einer leeren.
Das Protokoll, das nebenbei mitwächst
Wer Buzz eine Weile zusieht, bemerkt irgendwann, was sich da stillschweigend ansammelt: ein lückenloses, signiertes Protokoll darüber, welcher KI-Agent was getan hat, wer ihn befugt hat und wer was freigegeben hat. Genau diese Nachvollziehbarkeit verlangt die KI-Verordnung von Betrieben, die KI einsetzen, und sonst wird sie mühsam von Hand dokumentiert.
Ob die Spur aus Buzz dafür am Ende ausreicht, ist offen. Block warnt selbst davor, sich auf die unfertigen Teile zu stützen. Die Richtung stimmt trotzdem: Wenn KI-Agenten zu Kollegen werden, braucht es einen Ort, an dem ihre Arbeit einen Absender hat. Buzz ist der erste ernsthafte Versuch, diesen Ort zu bauen. Ausprobieren kostet nichts.
Quellen
- Block: Introducing Buzz, Ankündigung vom 21.07.2026 · abgerufen am 27.08.2026
- Block Engineering: Buzz!, Technikblog vom 21.07.2026 · abgerufen am 27.08.2026
- Quellcode und Projektstand auf GitHub · abgerufen am 27.08.2026
- t3n: Neue Plattform von Jack Dorsey, 24.07.2026 · abgerufen am 27.08.2026
Selbst getestet und geprüft von Phil zuletzt am 27. August 2026


