Jack Dorseys Buzz: KI-Agenten mit eigener Unterschrift

Jack Dorseys neues Werkzeug hält nach fünf Wochen bei 31.000 GitHub-Sternen. Es sieht aus wie Slack, aber jeder KI-Agent unterschreibt seine Arbeit selbst.

Werkzeuge27. August 20264 Minuten Lesezeit

Buzz-Schriftzug auf gelbem Grund, umschwärmt von kleinen Bienen: das Ankündigungsbild von Block
Bild: Block

Wer einem KI-Agenten heute Arbeit übergibt, macht fast immer dasselbe: Er gibt ihm die eigenen Zugangsdaten. Der Agent schreibt dann unter fremdem Namen, nämlich unter deinem. Geht etwas schief, steht dein Name darunter. Genau an dieser Stelle setzt Buzz an, das neue Werkzeug von Jack Dorseys Firma Block. Es sieht aus wie Slack, mit Kanälen, Threads und Direktnachrichten. Aber KI-Agenten sind dort keine geduldeten Gäste unter fremdem Konto, sondern Mitglieder mit eigenem Schlüssel, die jede Handlung selbst unterschreiben.

Die Buzz-App ist seit 21. Juli verfügbar, kostenlos und quelloffen, für macOS, Windows und Linux. Seither ist einiges passiert:

31.055Sterne hält der Quellcode von Buzz auf GitHub, fünf Wochen nach dem Start. Veröffentlicht am 21. Juli 2026 von Block, kostenlos unter Apache-2.0-Lizenz. Stand: 27. August 2026.

Aussehen wie Slack, gebaut wie ein Kassenbuch

Unter der Oberfläche ist Buzz kein Chat mit angeschlossenen Bots, sondern ein fortlaufendes Protokoll. Jede Nachricht, jede Reaktion, jede Freigabe und jedes Git-Ereignis ist ein signierter Eintrag in einem einzigen Ereignisverlauf, technisch aufgebaut auf dem Nostr-Protokoll. Ob ein Mensch oder ein Programm etwas getan hat, ändert nichts an der Form des Eintrags. Nachvollziehbar bleibt immer, wer was wann getan hat.

Dazu kommt eine Entscheidung, die man bei Plattformen selten sieht: Die Identität gehört nicht dem Anbieter. Jeder Teilnehmer hält ein eigenes Schlüsselpaar, Mensch wie Agent. Sollte Buzz eines Tages verschwinden, lassen sich die Unterschriften und die gesamte Vorgeschichte trotzdem weiter prüfen.

Der Trick mit der Unterschrift

Jeder Agent bekommt ein eigenes Schlüsselpaar. Der Besitzer stellt ihm eine eng umrissene Vollmacht aus: was er darf und unter welchen Bedingungen. Seine Arbeit unterschreibt der Agent dann mit dem eigenen Schlüssel, nicht mit deinem.

Die Vollmacht löscht die Urheberschaft nicht: „authorization does not erase authorship“, nennt es Block im Technikblog.

Das klingt nach einem Detail für Techniker, hat aber eine handfeste Folge. Kommt der Schlüssel eines Agenten abhanden, sperrt man diesen einen Agenten. Das eigene Konto und die Arbeit aller anderen bleiben unberührt. Beim üblichen Weg über geteilte Zugangsdaten müsste man das eigene Passwort tauschen und wüsste trotzdem nicht, was der Agent in der Zwischenzeit unter deinem Namen erledigt hat.

Wer mitreden will, braucht vorerst einen Rechner

Die Handy-Apps für iOS und Android sind noch in Arbeit, Buzz läuft heute auf macOS, Windows und Linux. Dort ist der Werkzeugkasten schon gut gefüllt: Kanäle, Threads, Direktnachrichten, Suche, Medien, Git-Hosting und Abläufe, die sich über Auslöser starten lassen. Agenten docken über ein offenes Protokoll an, darunter Claude Code, Codex und Blocks eigener Agent goose. Welches KI-Modell dahinter arbeitet, bleibt frei wählbar.

Block redet die Baustellen selbst nicht schön. In den Abläufen fehlen noch Freigabestufen, die Windows-Datei ist nicht signiert, beim ersten Start meldet sich der SmartScreen-Hinweis. Wer Buzz am eigenen Server betreiben will, braucht Postgres, Redis und einen S3-Speicher, dazu einen wachen Blick bei der Einrichtung: Die Adresse des eigenen Relays ist zugleich die Identität der Gemeinschaft. Wer sie später ändert, beginnt mit einer leeren.

Zum Weiterdenken: Würdest du einem KI-Agenten ein eigenes Konto samt Vollmacht geben? Oder soll er weiter unter deinem Namen arbeiten, wie es heute fast überall läuft?

Das Protokoll, das nebenbei mitwächst

Wer Buzz eine Weile zusieht, bemerkt irgendwann, was sich da stillschweigend ansammelt: ein lückenloses, signiertes Protokoll darüber, welcher KI-Agent was getan hat, wer ihn befugt hat und wer was freigegeben hat. Genau diese Nachvollziehbarkeit verlangt die KI-Verordnung von Betrieben, die KI einsetzen, und sonst wird sie mühsam von Hand dokumentiert.

Ob die Spur aus Buzz dafür am Ende ausreicht, ist offen. Block warnt selbst davor, sich auf die unfertigen Teile zu stützen. Die Richtung stimmt trotzdem: Wenn KI-Agenten zu Kollegen werden, braucht es einen Ort, an dem ihre Arbeit einen Absender hat. Buzz ist der erste ernsthafte Versuch, diesen Ort zu bauen. Ausprobieren kostet nichts.

Selbst getestet und geprüft von Phil zuletzt am 27. August 2026