ChatGPT1. September 20264 Minuten Lesezeit
Die Europäische Kommission hat ChatGPT am 31. August als sehr große Online-Suchmaschine benannt. Wie weit der Dienst über der Schwelle liegt, die das auslöst, steht in ihrer Mitteilung allerdings nicht. Wir haben deshalb OpenAIs eigene Meldung nach Artikel 24 der Verordnung aufgemacht und nachgerechnet: 159,1 Millionen Menschen in der EU nutzen die Suche in ChatGPT im Monat, bei einer Schwelle von 45 Millionen. Das ist das 3,5-Fache.

Damit landet zum ersten Mal ein KI-Chatbot in derselben Aufsichtsstufe wie die Google-Suche, Instagram oder YouTube. OpenAI hat vier Monate Zeit, bis Januar 2027. Den Ausschlag gab die Suche im Web: Die Kommission stuft ChatGPT als Zwitter ein, als Dienst, der auf Eingaben antwortet und dabei auch im Netz nachsieht. Wer im Netz nachsieht, ist im Sinne des Gesetzes eine Suchmaschine. Reddit und Roblox wurden am selben Tag als sehr große Online-Plattformen benannt, damit zählt die Kommission nun 28 solcher Dienste.
Die Schwelle steht bei 45 Millionen Nutzern im Monat
Der Wert steht in Artikel 33 des Gesetzes über digitale Dienste, kurz DSA. Wer im Schnitt mindestens 45 Millionen aktive Nutzer im Monat in der EU hat, kann benannt werden. OpenAI muss seine Zahl nach Artikel 24 halbjährlich selbst veröffentlichen, die 159,1 Millionen stammen aus dem Halbjahr bis 31. März 2026. Gezählt wird dabei die Suchfunktion, nicht jede Unterhaltung mit dem Chatbot.
Diese Zahl hat allerdings zwei Kanten. Sie stammt vom Anbieter selbst, nicht von einer Behörde, und OpenAI schreibt dazu, sie sei allein für die DSA-Meldung berechnet worden. Und sie gilt für die gesamte EU. Wie viele Menschen in Österreich ChatGPT zum Suchen verwenden, steht nirgends.

Der DSA ist nicht die KI-Verordnung
Diese beiden werden in den Meldungen der letzten Tage munter vermischt, obwohl sie an ganz verschiedenen Stellen ansetzen. Die KI-Verordnung knüpft an die Technik an: Wer KI anbietet, muss seit 2. August erzeugte Inhalte kennzeichnen. Der DSA knüpft an Größe und Reichweite an, völlig unabhängig davon, ob KI im Spiel ist. ChatGPT fällt jetzt unter beide Regelwerke, und zwar aus zwei verschiedenen Gründen.
Was OpenAI in den vier Monaten liefern muss, ist eine Bewertung der systemischen Risiken des eigenen Dienstes, mindestens einmal im Jahr und vor jeder Funktion, die daran etwas ändern könnte. Dazu kommt eine unabhängige Prüfung auf eigene Kosten und die Pflicht, der Kommission auf Verlangen Zugang zu den nötigen Daten zu geben. Die Kommission bekommt mit der Benennung eigene Untersuchungsbefugnisse.
Für Beschwerden aus Österreich ist die KommAustria zuständig
Das ist der Teil, der im Alltag zählt. Nach Artikel 53 des DSA kann jede Nutzerin und jeder Nutzer dort Beschwerde einlegen, wo sie oder er sich aufhält. Für Österreich ist das die KommAustria, die seit Februar 2024 als Koordinator für digitale Dienste eingerichtet ist. Sie prüft die Beschwerde und reicht sie an die zuständige Stelle am Sitz des Anbieters weiter. Bei ChatGPT ist das Irland, wo Coimisiún na Meán gemeinsam mit der Kommission die Aufsicht führt.
An der Bedienung von ChatGPT ändert die Benennung vorerst nichts. Die Pflichten treffen den Anbieter, und sie greifen erst im Jänner. Sichtbar wird die Sache das erste Mal, wenn OpenAI seine Risikobewertung vorlegt und ein unabhängiger Prüfer sie durchsieht. Bis dahin ändert sich für dich genau eine Sache: Du weißt jetzt, an welche Tür du in Österreich klopfen kannst.
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Quellen
- Europäische Kommission, Pressemitteilung IP/26/1772 vom 31.08.2026 · abgerufen am 01.09.2026
- Verordnung (EU) 2022/2065 (Gesetz über digitale Dienste), Artikel 33, 34, 37, 40 und 53 · abgerufen am 01.09.2026
- OpenAI, Meldung der monatlichen Nutzerzahl nach Artikel 24 Absatz 2 DSA · abgerufen am 01.09.2026
- RTR, KommAustria als Koordinator für digitale Dienste in Österreich · abgerufen am 01.09.2026
Übernahme
Zahlen, Messwerte und Grafiken aus dieser Meldung dürfen mit Quellenangabe übernommen werden. Bitte in dieser Form: Quelle: KI-Alltag, kialltag.at. Über einen Link auf die Meldung freuen wir uns.
Grafiken in Druckgröße, die Rohdaten hinter den Messungen und Rückfragen zur Methode: kontakt@kialltag.at
Geprüft von Phil zuletzt am 1. September 2026


