Zehn Gesetze, die keine KI mitbekommen hat.
Wer eine KI nach österreichischem Recht fragt, bekommt meist eine richtige Antwort. Bei Regeln, die sich gerade geändert haben, kippt das.
- 56 % veraltete Antworten bei zehn geänderten Regeln
- 0 % in der Kontrollgruppe bei 30 unveränderten Regeln
- 939 Abfragen drei Systeme, gemessen am 3. September 2026
Du planst ein Jahr Ausbildung und willst wissen, ob du dafür Bildungskarenz nehmen kannst. Du fragst ChatGPT, weil das schneller geht als die Arbeiterkammer anzurufen. Die Antwort kommt sofort, klingt sicher und nennt sogar den Paragrafen. Nur: Die Bildungskarenz gibt es seit April 2025 nicht mehr.
Genau das haben wir gemessen. Nicht als Gefühl, sondern mit 939 Abfragen an drei KI-Systeme, jede Frage dreimal und in drei Fassungen. Das Ergebnis steht unten mit allen Zahlen, und die Rohdaten gibt es zum Herunterladen.

Bei zehn österreichischen Regeln, die sich 2025 oder 2026 geändert haben, gaben die KI-Systeme in 56 Prozent der Antworten den alten Stand aus, auch dann, wenn Österreich ausdrücklich in der Frage stand. Bei 30 Regeln, die unverändert gelten, war es keine einzige von 456 Antworten.
Drei Systeme, dieselbe falsche Zahl
Die deutlichste Stelle ist der befristete Mietvertrag. Gefragt wurde wörtlich: „Wie lange muss ein befristeter Mietvertrag in Österreich mindestens laufen?“
„In Österreich muss ein befristeter Mietvertrag … mindestens 3 Jahre laufen.“
„Mindestbefristung: 3 Jahre (§ 29 MRG)“
„Mindestdauer: 3 Jahre (nach oben hin gibt es keine Grenze).“
Seit 1. Jänner 2026 sind es fünf Jahre. Drei Jahre gelten nur noch, wenn sich der Vermieter erfolgreich darauf beruft, kein Unternehmer zu sein. Alle 18 Antworten zu dieser Frage waren falsch, in jedem Durchgang, bei jedem der drei Systeme. Ein System nennt sogar den richtigen Paragrafen zur falschen Zahl.
Alle zehn geprüften Änderungen
Was heute gilt, und was die KI noch sagt
| Thema | Galt bis | Gilt seit | Antworten veraltet |
|---|---|---|---|
| Befristeter Mietvertrag | mindestens 3 Jahre | mindestens 5 Jahre, 3 nur wenn der Vermieter kein Unternehmer istseit 1. Jänner 2026 | 18 von 18100 % |
| Umsatzsteuer auf Photovoltaik | 0 % bis 35 kWp | 20 %, der Nullsteuersatz ist ausgelaufenseit 1. April 2025 | 17 von 1894 % |
| Mieterhöhung wegen Inflation | Anpassung laut Vertrag, mehrmals im Jahr möglich | nur zum 1. April; über 3 % Inflation zählt der übersteigende Teil nur zur Hälfteseit 1. Jänner 2026 | 8 von 989 % |
| Bildungskarenz | Bildungskarenz mit Weiterbildungsgeld | abgeschafft, an ihre Stelle tritt die Weiterbildungszeitseit 1. April 2025 | 9 von 1275 % |
| Versicherungssteuer für E-Autos | befreit | nicht mehr befreit, gerechnet wird nach Leistung und Gewichtseit 1. April 2025 | 8 von 1267 % |
| Klimabonus | jährliche Auszahlung | abgeschafftseit 2025 | 5 von 1050 % |
| Dazuverdienen zum Arbeitslosengeld | bis zur Geringfügigkeitsgrenze erlaubt | nur noch in fünf gesetzlichen Ausnahmefällenseit 1. Jänner 2026 | 6 von 1250 % |
| Kleinunternehmergrenze | 35.000 Euro netto | 55.000 Euro bruttoseit 1. Jänner 2025 | 0 von 120 % |
| Arbeiten außerhalb der Wohnung | Homeoffice nur in der eigenen Wohnung | Telearbeit, auch Coworking, Kaffeehaus oder Parkseit 1. Jänner 2025 | 0 von 120 % |
| Teilpension | gab es nicht | Arbeitszeit um 25 bis 75 % reduzieren, Teil der Pension dazuseit 1. Jänner 2026 | 0 von 120 % |
Drei der zehn Änderungen sind angekommen. Die Kleinunternehmergrenze, die Telearbeit und die Teilpension beantworteten alle Systeme richtig, in jedem Durchgang. Das ist der Grund, warum die Zahl oben glaubwürdig ist: Die Systeme sind nicht pauschal schlecht in österreichischem Recht, sie hängen an bestimmten Stellen fest.
Bei unveränderten Regeln lagen sie kein einziges Mal daneben
Damit die Zahl etwas wert ist, braucht sie einen Vergleichsmaßstab. Deshalb liefen dieselben Systeme über 30 österreichische Regeln, die sich nicht geändert haben: Urlaubsanspruch, Erbschaftssteuer, Pflichtteil, Grunderwerbsteuer, Kündigungsfristen, Pflegegeld und andere. Bei 456 Antworten war keine einzige veraltet, und genau eine gab deutsches Recht aus.
10 geänderte Regeln, 127 Antworten
56 %
veraltete Antwort
30 unveränderte Regeln, 456 Antworten
0 %
veraltete Antwort
Zweimal gefragt, zweimal anders geantwortet
Jede Frage lief dreimal durch. Bei 29 Prozent der Frage-System-Gruppen kam nicht jedes Mal dieselbe Rechtsauskunft heraus. Wer eine Antwort bekommt und sie für belastbar hält, hätte beim zweiten Versuch in fast einem Drittel der Fälle etwas anderes gelesen.
Ohne Länderangabe antwortet keines der Systeme für Österreich
Ein Nebenergebnis, das zum selben Bild gehört. Wurde dieselbe Frage auf Deutsch gestellt, ohne ein Land zu nennen, antwortete bei 249 Antworten kein einziges System für Österreich. 143-mal kam die deutsche Regel, 65-mal beide Länder nebeneinander. Meist steht „In Deutschland“ dabei, dann kann man nachfragen. In zwölf Antworten stand die deutsche Regel ohne jede Länderangabe da.
Schreib das Land in die Frage. „Wie lange muss ein befristeter Mietvertrag in Österreich mindestens laufen?“ liefert deutlich bessere Antworten als dieselbe Frage ohne die zwei Wörter. Und bei allem, was sich zuletzt geändert haben könnte, prüf die Auskunft auf oesterreich.gv.at, bei der Arbeiterkammer oder der Wirtschaftskammer nach. Das kostet zwei Minuten.
Wie gemessen wurde
939 Abfragen, drei Systeme, dreimal dieselbe Frage
Gefragt wurden gpt-5.5 von OpenAI, claude-sonnet-5 von Anthropic und gemini-3.8-flash von Google, über die Programmierschnittstellen, am 3. September 2026. Jede der 40 Fragen wurde in drei Fassungen gestellt: ohne Länderangabe, mit „in Österreich“ und mit einer österreichischen Stadt in der Frage. Jede Fassung lief dreimal.
Ob eine Antwort den alten oder den neuen Stand nennt, entscheidet ein Programm anhand von Textmustern, die vor der Messung festgelegt wurden. Wer die Muster erst danach festlegt, stuft passend ein, statt zu messen. Jede spätere Änderung an einem Muster steht mit Datum und Begründung im Änderungsprotokoll der Auswertung.
Die zehn Rechtsänderungen sind je zweifach belegt, jeweils bei einer amtlichen Stelle und einer zweiten, davon unabhängigen. Die Fundstellen stehen unten.
Wo die Messung an ihre Grenzen kommt
Bei Anthropic ging das Guthaben mitten im Lauf aus. Von 288 geplanten Abfragen liegen 165 vor. Die beiden deutlichsten Fragen sind vollständig gemessen, dort lag das System genauso falsch wie die anderen.
Gemessen wurden die Schnittstellen, nicht die Apps. Wer ChatGPT oder Gemini im Browser benutzt, bekommt eine Websuche dazu, und die kann eine Gesetzesänderung finden, die dem Modell selbst fehlt. Die Zahlen gelten für das Modellwissen ohne Suche.
Bei der Photovoltaik-Frage ist die alte österreichische Regel wortgleich mit der deutschen: beide Male ein Nullsteuersatz. Ob ein System deutsches Recht ausgibt oder veraltetes österreichisches, lässt sich dort nicht trennen. Falsch für Österreich ist beides.
Woher die geltenden Regeln stammen
Abgerufen am 3. September 2026. Das Rechtsinformationssystem des Bundes lässt keine automatischen Abrufe zu, belegt wird deshalb über die amtlichen Portale.
- Befristeter Mietvertrag
- oesterreich.gv.at, „Befristung von Mietverträgen“, Stand 03.04.2026 · wko.at zum 5. MILG und MieWeG, Stand 17.12.2025
- Umsatzsteuer Photovoltaik
- bmf.gv.at, „Steuersatz für Photovoltaikmodule“, Stand 01.01.2026 · wko.at, „Streichung der USt-Befreiung auf PV-Anlagen“, Stand 21.03.2025
- Mieterhöhung
- wko.at zum Mieten-Wertsicherungsgesetz, Stand 17.12.2025 · Arbeiterkammer Niederösterreich, „Neue Regeln für Mieterhöhungen“
- Bildungskarenz
- ams.at, „Weiterbildungszeit und Weiterbildungsteilzeit“, Stand 23.06.2026 · wko.at, „Abschaffung Bildungskarenz und Bildungsteilzeit“, Stand 19.03.2025
- Versicherungssteuer E-Auto
- bmf.gv.at, „Steuersatz motorbezogene Versicherungssteuer“, Stand 01.01.2026 · wko.at, „Elektromobilität aus steuerlicher Sicht“, Stand 01.02.2026
- Klimabonus
- oesterreich.gv.at, „Klimabonus“, Stand 17.06.2026 · parlament.gv.at zum Budgetbegleitgesetz, 06.06.2025
- Dazuverdienen zum Arbeitslosengeld
- ams.at, „Arbeitslos und geringfügig beschäftigt? Neues ab 01.01.2026“, Stand 04.03.2026 · wko.at, Stand 26.01.2026
- Kleinunternehmergrenze
- usp.gv.at, „Kleinunternehmen“, Stand 01.01.2026 · wko.at, „Kleinunternehmerregelung“, Stand 01.06.2026
- Telearbeit
- wko.at, „Telearbeit – arbeitsrechtliche Voraussetzungen“, Stand 01.01.2026 · Arbeiterkammer Oberösterreich zum Telearbeitsgesetz
- Teilpension
- pv.at, „Teilpension“, Stand 20.03.2026 · parlament.gv.at, Beschluss des Nationalrats vom 10.07.2025
Die Rohdaten aller 939 Abfragen, die Fragenliste und die Auswertung gibt es auf Anfrage über das Kontaktformular. Wer die Messung nachbauen oder widerlegen will, bekommt alles, was dafür nötig ist.
Selbst getestet und geprüft von Phil zuletzt am 3. September 2026