Claude Fable 5.1: zehnmal teurer als Haiku

Anthropics neues Spitzenmodell kostet zehnmal so viel wie das günstigste. Ich habe nachgerechnet, wann sich der Umstieg im Alltag lohnt und wann nicht.

Claude4. September 20263 Minuten Lesezeit

Anthropic hat am 1. September Claude Fable 5.1 veröffentlicht, das stärkste Modell der Firma. Ich habe mir die Preisliste angesehen: Eine Antwort kostet dort zehnmal so viel wie mit dem kleinsten Modell Haiku. Brauche ich das für meine Alltagsfragen überhaupt, oder verbrenne ich damit nur Guthaben?

Wortmarke von Claude Fable 5.1 vor dunklem Hintergrund
Bild: Anthropic

Ich habe nachgerechnet. Fable 5.1 kostet 10 Dollar, wenn ich eine Million Tokens hineinschicke, und 50 Dollar für eine Million Tokens zurück. Ein Token ist ein kleines Textstück, ungefähr so lang wie eine Silbe. Haiku 4.5 kostet dafür 1 und 5 Dollar. Fable 5.1 kostet also genau das Zehnfache von Haiku 4.5.

Bei ChatGPT ist es dasselbe Bild, nur noch deutlicher. Das teuerste Modell GPT-5.6 Sol kostet 4 und 20 Dollar. Das günstigste, GPT-5.6 Luna, kostet 0,20 und 1,20 Dollar. Beim Hineinschicken ist das zwanzigmal weniger. Beide Firmen schreiben in ihrer eigenen Anleitung, dass das billige Modell für alltägliche Aufgaben gedacht ist. Nicht das teure.

Ein Fehler, den niemand fünf Jahre lang fand

Mich hat interessiert, wofür das teure Modell dann gut ist. „Für komplexe Aufgaben" sagt mir nämlich gar nichts. Ab wann ist etwas komplex? Sind das mehrere Aufträge gleichzeitig, oder etwas völlig Verworrenes? Anthropic hat zur Vorstellung drei Beispiele von Kunden veröffentlicht, und die sind deutlich greifbarer.

Bei einer Handelsfirma stürzte ein Programm ab. Aber nur ganz selten, bei etwa einem von einer Million Versuchen. Vier bis fünf Jahre lang fand niemand im Team den Grund dafür. Andere KI-Modelle auch nicht. Fable 5.1 hat ihn gefunden.

Bei der Firma MongoDB hat das Modell in rund drei Tagen ein ganzes Programm gebaut. Es lief dabei stundenlang alleine weiter, ohne dass jemand zusehen musste. Bei der Firma Ramp lief eine einzige Aufgabe 38 Stunden am Stück, bis ein Ergebnis da war.

Das ist für mich die Antwort auf die Frage, ab wann etwas komplex ist. Es geht nicht darum, wie viele Aufträge ich gleichzeitig gebe. Es geht darum, ob eine Aufgabe viele Schritte hintereinander braucht, ob sie stundenlang von alleine weiterlaufen soll, oder ob schon andere daran gescheitert sind. Anthropic schreibt seinen Firmenkunden genau das.

Wofür Haiku schon ausreicht

Meine Alltagsfragen sehen anders aus. Wie lange muss der Braten in den Ofen. Formulier mir einen Urlaubsantrag. Kürz mir diese E-Mail. Rechne nach, ob die Rechnung stimmt. Keine davon läuft stundenlang, an keiner ist vorher jemand gescheitert.

Anthropic liefert dazu selbst eine Zahl. In einem eigenen Test fanden Tester bei alltäglichen Wissensfragen die Antworten von Fable 5.1 etwa doppelt so oft besser als die des Vorgängers. Ein Unterschied also, aber kein Sprung. Für genau solche Fragen gibt es die Haiku-Reihe: schnell, billig, gemacht für das, was man ständig fragt.

Fairerweise: Anthropic empfiehlt seinen Firmenkunden nicht, das billigste Modell zu nehmen. Der Rat lautet, mit dem stärksten anzufangen, weil es eine Aufgabe oft in weniger Anläufen löst. Unterm Strich kann das billiger sein, obwohl jede einzelne Antwort mehr kostet. Das gilt aber für Abläufe, die tausendfach automatisch laufen. Nicht für meine eine Frage im Chatfenster.

Im Abo zählt die Nachrichtengrenze

Für Claude und ChatGPT zahle ich ohnehin einen Fixbetrag im Monat, keinen Preis pro Frage. Am Kern ändert das nichts: Das große Modell braucht mehr Rechenleistung für dieselbe Antwort.

Und in fast jedem Abo darf man mit dem stärksten Modell weniger Nachrichten schreiben als mit dem kleinen. Wer für jede Kleinigkeit das teuerste auswählt, ist schneller am Limit. Ohne dafür eine spürbar bessere Antwort bekommen zu haben.

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Geprüft von Phil zuletzt am 4. September 2026