Ecosia holt sich KI-Modelle aus China

Wer mit Ecosia sucht, bekommt KI-Antworten bald auch von Qwen und Kimi aus China. Gerechnet wird aber in Europa, und die KI lässt sich abdrehen.

Werkzeuge9. Oktober 20263 Minuten Lesezeit

Die Suchmaschine Ecosia trennt sich von Mistral AI, dem französischen Anbieter ihrer KI-Antworten, und setzt künftig auf offene Modelle, darunter Qwen, GLM und Kimi aus China.

Weißes vierzackiges KI-Symbol von Ecosia vor grünen Pflanzenwurzeln auf dunklem Grund
Bild: Ecosia

Landen die Fragen der Nutzer damit bald in China? Die Modelle stammen zwar von chinesischen Firmen, gerechnet wird aber in Europa.

Gründer Christian Kroll will die Rechenarbeit über Melious laufen lassen, eine Firma mit Sitz im Starterzentrum der Universität des Saarlandes in Saarbrücken. Sie betreibt nach eigenen Angaben nur Server in der EU und im Europäischen Wirtschaftsraum, bei 11 Rechenzentrumsanbietern in 8 Ländern.

Die Suchmaschine stellt ihre KI damit binnen 5 Monaten zum zweiten Mal um.

Erst im Mai war sie fast ganz zu Mistral gewandert, damals mit dem Versprechen, europäischer und privater zu werden.

Ecosia-Gründer Christian Kroll im weißen T-Shirt auf der Bühne des Web Summit 2019 in Lissabon
Foto: Harry Murphy/Web Summit, Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Kroll stört an Mistral das Geld aus den USA

Den Wechsel erklärte Kroll am 9. Oktober im Gespräch mit dem Portal EU-Startups. Offene Modelle, deren Bauplan frei im Netz liegt und die jeder auf eigenen Servern betreiben kann, seien günstiger, flexibler und bräuchten weniger Strom.

An Mistral stört ihn, dass die Firma viel Geld von Investoren aus dem Ausland bekommt, vor allem aus den USA. Das untergrabe ihre Unabhängigkeit. Seinen Plan fasste er auf Englisch so zusammen, hier übersetzt.

„Wir werden in Zukunft wahrscheinlich Melious nutzen. Anders als Mistral ist das eine europäische Firma, die gute und günstige Rechenleistung für KI mit Ökostrom anbietet.“

Chinesische Modelle stehen in der Kritik, weil sie bei politischen Fragen zensieren können. Bei heiklen Themen wie Taiwan will Ecosia deshalb auf ein anderes Modell umschalten und politische Schlagseite aus den Antworten herausnehmen.

Die Datenschutzerklärung von Ecosia führt noch Mistral

Im Abschnitt über den Chat steht am 9. Oktober weiter Mistral AI als Empfänger der Fragen, Stand 21. Mai 2026. Als Ausweichlösung bei Ausfällen ist OpenAI aus San Francisco eingetragen, Melious fehlt noch.

Persönliche Angaben, die jemand selbst in den Chat tippt, gehen mit an den Anbieter. Wer wissen will, wer seine Fragen gerade bekommt, sieht in der Datenschutzerklärung der Suchmaschine unter dem KI-Chat nach.

KI ausschalten in Ecosia über die Einstellungen

Seit Juli lässt sich jede KI-Funktion der Suchmaschine abdrehen, die Übersichten über den Treffern genauso wie den Chat.

  1. Die Einstellungen öffnen, auch über das Profil erreichbar.
  2. Den Schalter „Suche ohne KI“ einschalten.
  3. Unten auf „Speichern“ tippen.

Danach kommt wieder eine reine Trefferliste, und die Suchen finanzieren weiter Bäume.

Liest du hier öfter? KI-Alltag bei Google als bevorzugte Quelle setzen, dann taucht die Seite in deinen Suchergebnissen weiter oben auf.

Geprüft von Phil zuletzt am 9. Oktober 2026