KI-Verordnung6. Oktober 20262 Minuten Lesezeit

OpenAI baut in den nächsten Wochen ein unsichtbares Wasserzeichen in Antworten von ChatGPT ein, und zwar nur in der EU, also auch in Österreich. Der Grund ist der AI Act, die KI-Verordnung der EU, die seit 2. August 2026 maschinenlesbar markierte KI-Texte verlangt. Kann ein Lehrer oder eine Chefin damit bald erkennen, ob ein Aufsatz aus ChatGPT stammt?
Vorerst nicht. Das Prüfprogramm erhalten zuerst nur ausgewählte Fachleute.
Die öffentliche Prüfseite openai.com/verify nimmt weiterhin nur Bilder und Tonaufnahmen an. Die Markierung selbst soll in allen Tarifen kommen, wer ChatGPT in der Schweiz oder in den USA nutzt, bekommt sie vorerst nicht.

So steckt das Wasserzeichen in der Wortwahl
Das Verfahren heißt textGrain. Es lenkt die Wortwahl des Programms so, dass ein statistisches Muster entsteht, das beim Lesen niemandem auffällt, und das Prüfprogramm sucht nach genau diesem Muster.
Ob es anschlägt, hängt von Länge und Thema ab. Bei Psychologie fand es das Zeichen in rund 80 Prozent der kurzen Abschnitte und in rund 95 Prozent der doppelt so langen. Bei Mathematik waren es deutlich weniger, weil dort die Wörter wenig Spielraum lassen.
Schon bei jedem zehnten getauschten Wort sank die Quote in englischen Testtexten von 92 auf 66 Prozent. Auch Übersetzen schwächt das Zeichen. Auf die Qualität der Antworten hat die Markierung in OpenAIs eigenen Tests kaum Einfluss.
Das Wasserzeichen nennt keinen Namen und kein Konto
Die Markierung hängt an keiner Person. OpenAI beschreibt selbst genau, was sie nicht leisten kann:
- Sie ist mit keinem Namen, keinem Konto und keinem Gespräch verbunden.
- Wie viel von einem Menschen stammt, misst sie nicht.
- Ob der Inhalt stimmt, zeigt sie ebenso wenig.
- Fehlt sie, beweist das keinen menschlichen Verfasser. Der Abschnitt kann zu kurz, bearbeitet, übersetzt oder mit dem Programm einer anderen Firma geschrieben sein.
Der AI Act verlangt die Markierung vom Anbieter
So steht es in Artikel 50 der KI-Verordnung. Wer ein Programm anbietet, das Texte, Bilder oder Töne erzeugt, muss diese maschinenlesbar kennzeichnen.
Eine eigene Pflicht für den, der den Text verwendet, kennt derselbe Artikel nur in einem Fall. Wer mit KI Geschriebenes veröffentlicht, um die Öffentlichkeit über Dinge von allgemeinem Interesse zu informieren, muss das offenlegen, außer ein Mensch hat es geprüft und jemand trägt die redaktionelle Verantwortung.
- OpenAI: Our approach to EU text provenance rules (5. Oktober 2026) · abgerufen am 2026-10-06
- OpenAI Hilfe: Herkunftssignale (Content Credentials, SynthID) in OpenAI-generierten Inhalten · abgerufen am 2026-10-06
- AI Act Service Desk: Artikel 50 KI-Verordnung, Transparenzpflichten · abgerufen am 2026-10-06
- Europäische Kommission: Verhaltenskodex für die Transparenz von KI-generierten Inhalten · abgerufen am 2026-10-06
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Geprüft von Phil zuletzt am 6. Oktober 2026


