ChatGPT zeigt Werbung: OpenAIs Milliarden-Loch

OpenAI verbrennt Milliarden, drängt auf eine Billion-Dollar-Bewertung und lässt sich von Nvidia mitfinanzieren. Deshalb kommt jetzt Werbung in ChatGPT.

ChatGPT2. September 20264 Minuten Lesezeit

Blick auf den Firmensitz von Nvidia mit Firmenlogo an der Fassade
Foto: Kevin McCarthy, CC BY 2.0, Wikimedia Commons

Während ChatGPT Ads gerade in Österreich starten, zeigen OpenAIs eigene Zahlen, warum der Konzern Werbung überhaupt braucht. Allein im ersten Quartal 2026 stand einem Umsatz von 5,7 Milliarden US-Dollar ein operativer Verlust von 9,3 Milliarden US-Dollar gegenüber. OpenAI hat in diesen drei Monaten 3,7 Milliarden Dollar an Bargeld verbrannt, mehr als die Hälfte der eigenen Einnahmen dieses Quartals.

Ein akutes Geldproblem ist das trotzdem nicht: Nach einer großen Finanzierungsrunde saß OpenAI Ende März 2026 auf 73 Milliarden Dollar Bargeld, gegenüber 40 Milliarden Ende Dezember. Der Nettoverlust des Quartals lag mit 21,3 Milliarden Dollar sogar noch höher. Davon sind laut den Berichten aber rund 12,4 Milliarden ein einmaliger Buchhaltungsposten, kein laufender Cash-Abfluss. Werbung soll diese Rechnung langfristig verbessern: OpenAI selbst nennt als Ziel 2,4 bis 2,5 Milliarden Dollar Werbeeinnahmen für 2026, einen kleinen, aber wachsenden Baustein neben Abos und Firmenkunden.

Ein Börsengang ohne festes Datum

Im Juni hat OpenAI vertraulich Unterlagen für einen Börsengang bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Berichten von CNBC und der New York Times zufolge neigt der Konzern inzwischen dazu, den Börsengang von 2026 auf 2027 zu verschieben. Der Grund: Bei der letzten privaten Finanzierungsrunde lag die Bewertung zwischen 730 und 852 Milliarden Dollar, Sam Altman drängt aber auf die Marke von einer Billion Dollar. Im August kaufte OpenAI für rund 7 Milliarden Dollar Mitarbeiteraktien zur alten Bewertung zurück. Das nimmt Druck vom Zeitplan, verschiebt die Entscheidung aber auch weiter nach hinten.

Nvidias Geld im eigenen Kreislauf

Ein zweiter Grund, warum manche Beobachter genauer hinsehen: Nvidia investiert bis zu 100 Milliarden Dollar in OpenAI. OpenAI kauft davon unter anderem Rechenleistung bei Oracle ein, Oracle wiederum Chips bei Nvidia, das zugleich am Cloud-Anbieter CoreWeave beteiligt ist, der seinerseits OpenAI beliefert. Der Bernstein-Analyst Stacy Rasgon schrieb dazu bereits 2025 in einer Studie, das Vorgehen befeuere "circular concerns", die Sorge, dass ein Teil der gemeldeten Nachfrage nur im Kreis finanziertes Geld ist, nicht echtes Käuferinteresse von außen. Mehrere Analysten ziehen dazu den Vergleich zur Anbieterfinanzierung der Dotcom-Blase Ende der Neunzigerjahre.

Genau in dieses Bild passt der Werbestart. Er ist der sichtbare, für Nutzer:innen greifbare Teil einer viel größeren Finanzierungslage: Ein Unternehmen, das Milliarden verbrennt und zugleich Milliarden an Infrastrukturzusagen eingeht, sucht jede zusätzliche, von den eigenen Investoren unabhängige Einnahmequelle.

Claude und Perplexity bleiben werbefrei

Nicht jeder Anbieter zieht mit. Anthropic hat Werbung in Claude im Februar 2026 in einem eigenen Blogbeitrag explizit ausgeschlossen, mit einem Satz, der zum Slogan der eigenen Super-Bowl-Kampagne wurde: "There are many good places for advertising. A conversation with Claude is not one of them." Perplexity ist noch weiter gegangen und hat sein bereits laufendes Werbeprogramm Mitte Februar 2026 komplett wieder eingestellt, aus Sorge um das Vertrauen in die Objektivität der eigenen Antworten. Google hält seinen Chatbot Gemini bislang ebenfalls werbefrei, zeigt Anzeigen aber schon in der klassischen KI-Suche.

Für Nutzer:innen in Österreich heißt das: Wer ChatGPT im Free- oder Go-Tarif verwendet, bekommt künftig Werbung zu sehen. Nicht, weil es technisch naheliegt, sondern weil die Zahlen dahinter es nötig machen.

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Geprüft von Phil zuletzt am 2. September 2026