DeepSeek: 15-mal günstiger als GPT-5.5

Beim teuersten ChatGPT-Modell kostet die Antwort das 15-Fache von DeepSeek. Beim fairen Vergleich schmilzt der Vorsprung deutlich.

Werkzeuge3. September 2026aktualisiert am 3. September 20265 Minuten Lesezeit

DeepSeek beantwortet dieselbe Frage wie ChatGPT für einen Bruchteil des Preises, und in Österreich wird kaum ein anderer KI-Name so oft gesucht. Neben DeepSeek drängt mit Kimi vom chinesischen Anbieter Moonshot AI ein zweites Modell auf den Markt, das sich mit den Schwergewichten aus den USA misst. Beide zeigen ihre Gewichte offen, beide kosten pro Anfrage einen Bruchteil von ChatGPT, Claude oder Gemini.

Nahaufnahme eines Nvidia-Grafikchips auf einer Platine
Foto: Mickael Courtiade, CC BY 2.0, Wikimedia Commons

Wie groß der Rückstand tatsächlich ist, darüber streiten sogar die, die ihn messen. Eine US-Behörde kommt auf acht Monate, eine Stanford-Studie auf so gut wie keinen. Beide haben recht, nur bei verschiedenen Fragen.

Das 15-Fache für dieselbe Antwort

15-malso viel zahlst du OpenAI für GPT-5.5, um dieselbe Textmenge zu erzeugen, für die DeepSeek V4 Pro nur einen Bruchteil verlangt. Berechnet aus den Ausgabepreisen je Million Tokens, Stand September 2026.

Der auffälligste Unterschied ist der Preis, aber er hängt stark davon ab, welches Modell man vergleicht. DeepSeek V4 Pro kostet außerhalb der Spitzenzeiten rund 0,66 US-Dollar je Million Eingabe-Tokens und 1,98 Dollar je Million Ausgabe-Tokens. GPT-5.5, OpenAIs teuerstes Modell, verlangt dafür 5 und 30 Dollar, beim Schreiben der Antwort also gut das 15-Fache. Gegen Claude Opus 4.6 sind es noch knapp 13-mal so viel. Gegen die kleine, günstige GPT-5.4-mini-Variante schrumpft der Abstand dagegen fast auf null, dort ist DeepSeek bei der Eingabe kaum billiger und beim Schreiben gut doppelt so günstig.

Kimi K2.6 von Moonshot AI liegt preislich dazwischen: 0,95 Dollar Eingabe, 4 Dollar Ausgabe, gegen GPT-5.5 rund 7,5-mal günstiger, gegen die Mini-Variante von OpenAI sogar leicht teurer bei der Eingabe. Sechs Modelle im direkten Vergleich, Preis je Million Tokens:

  • DeepSeek V4 Pro (DeepSeek, China): 0,66 $ / 1,98 $, in Spitzenzeiten 1,32 $ / 3,96 $. Kontext 1.000.000 Tokens. Gewichte offen.
  • Kimi K2.6 (Moonshot AI, China): 0,95 $ / 4,00 $. Kontext 262.144 Tokens. Gewichte offen.
  • GPT-5.4 mini (OpenAI, USA): 0,75 $ / 4,50 $. Kontext 400.000 Tokens. Gewichte geschlossen.
  • GPT-5.5 (OpenAI, USA): 5,00 $ / 30,00 $. Kontext 400.000 Tokens. Gewichte geschlossen.
  • Claude Opus 4.6 (Anthropic, USA): 5,00 $ / 25,00 $. Kontext 1.000.000 Tokens. Gewichte geschlossen.
  • Gemini 3 Pro (Google, USA): 2,00 $ / 12,00 $ bis 200.000 Tokens Kontext, danach teurer. Kontext insgesamt 1.000.000 Tokens. Gewichte geschlossen.

Offene Gewichte heißt außerdem: Wer will, lädt das Modell herunter und betreibt es auf eigener Hardware, ganz ohne API-Gebühren und ohne dass eine einzige Anfrage das eigene Netzwerk verlässt. Bei ChatGPT, Claude und Gemini geht das nicht, ihre Gewichte bleiben unter Verschluss.

Acht Monate Rückstand, sagt eine US-Behörde

Das Center for AI Standards and Innovation, eine Einheit der US-Normungsbehörde NIST, hat DeepSeek V4 Pro im April 2026 gegen die stärksten US-Modelle getestet. Ergebnis: DeepSeek liegt in der Gesamtbewertung rund acht Monate hinter der US-Spitze, in etwa auf dem Stand von GPT-5, das acht Monate zuvor erschienen war. Beim direkten Kostenvergleich mit GPT-5.4 mini, dem Modell ähnlicher Größenklasse, war DeepSeek bei fünf von sieben Testreihen günstiger, bei den übrigen bis zu 41 Prozent teurer. Zwei der neun Testreihen waren nicht öffentlich einsehbar, und genau dort fiel der Rückstand am größten aus.

Stanfords AI Index, veröffentlicht im April 2026, zeichnet ein anderes Bild: Auf der Rangliste Arena, wo Menschen Antworten verschiedener Modelle bewerten, lag das beste chinesische Modell im März 2026 nur 2,7 Prozentpunkte hinter dem besten US-Modell, 2023 waren es noch 17 bis 32 Punkte. Der Unterschied erklärt sich aus der Messmethode: Die US-Behörde testet gezielt schwierige Aufgaben aus Programmierung, Mathematik und Cybersicherheit, die Arena-Rangliste misst, was menschlichen Bewertern gefällt.

Wer die Daten sieht, ist nicht offen

Der niedrige Preis hat eine Kehrseite, die in Preisvergleichen selten steht: Wer DeepSeek oder Kimi über die App oder die Website nutzt statt über offene Gewichte auf eigener Hardware, schickt seine Eingaben auf Server in China. Die deutschen Datenschutzbehörden haben die DeepSeek-App deshalb 2025 aus den Stores nehmen lassen, sie ist dort bis heute nicht wieder verfügbar. Die österreichische Datenschutzbehörde schreibt auf Anfrage, sie stehe dazu "in regelmäßigem Austausch" mit den Behörden im Europäischen Wirtschaftsraum und beobachte die Entwicklung, eine eigene Entscheidung hat sie bislang nicht veröffentlicht.

Genau hier liegt der Unterschied zu den offenen Gewichten: Wer das Modell selbst betreibt, umgeht das Problem komplett, weil keine Anfrage nach China geht. Wer den bequemen Weg über App oder Web-Chat nimmt, gibt die Kostenersparnis mit einem Datenschutzrisiko wieder her, das sich nicht in Dollar beziffern lässt.

Dass die US-Anbieter das genau beobachten, zeigt sich an anderer Stelle: OpenAI verbrennt Milliarden und sucht neue Einnahmequellen, während aus China Modelle kommen, die einen Bruchteil kosten. Der Preisdruck von unten trifft ein Unternehmen, das sowieso schon unter Druck steht.

Liest du hier öfter? KI-Alltag bei Google als bevorzugte Quelle setzen, dann taucht die Seite in deinen Suchergebnissen weiter oben auf.

Nachtrag

Die Preise für DeepSeek V4 Pro waren vertauscht, dadurch waren auch die daraus berechneten Vielfachen zu hoch. Beides nach der offiziellen Preisseite berichtigt.

Übernahme

Zahlen, Messwerte und Grafiken aus dieser Meldung dürfen mit Quellenangabe übernommen werden. Bitte in dieser Form: Quelle: KI-Alltag, kialltag.at. Über einen Link auf die Meldung freuen wir uns.

Grafiken in Druckgröße, die Rohdaten hinter den Messungen und Rückfragen zur Methode: kontakt@kialltag.at

Geprüft von Phil zuletzt am 3. September 2026