Gemini hackt 3 Firmen, Google schwieg 7 Wochen

Googles Gemini brach bei einem Test in 3 echte Firmen ein. Google wusste es seit Juli und schwieg. Der EU-Kodex, den Google unterschrieb, nennt 5 Tage.

Gemini19. September 20263 Minuten Lesezeit

Googles KI Gemini sollte im Mai zur Übung in eine erfundene Firma einbrechen, brach stattdessen aber in 3 echte ein.

Glasfassade der Google-Zentrale in Mountain View mit dem bunten Google-Schriftzug, davor Gräser und Bäume
Foto: Asoundd, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Und Google verschwieg es 7 Wochen lang. Den Auftrag hatte die Prüffirma Irregular aus Israel gestellt, die für Google, OpenAI, Anthropic und Meta vor jeder Veröffentlichung ausprobiert, was ein neues Modell anrichten kann. Wie kommt eine KI ohne Auftrag in 3 fremde Firmen?

Durch 2 Türen, die auch bei Betrieben in Österreich offen stehen: ein Passwort, das sich erraten lässt, und Zugangsdaten, die jemand in einer öffentlichen Ablage im Netz liegen gelassen hat.

Die Übungsfirma hieß wie eine echte

Der Test sollte in einem abgeschotteten Raum laufen. Der Raum hatte aber eine Tür ins Internet, die versehentlich offen stand, und die erfundene Zielfirma trug denselben Namen wie ein wirkliches Unternehmen.

Gemini fand im Netz die echte Firma dieses Namens, probierte so lange Passwörter durch, bis eines passte, und war drin. In 2 weiteren Durchgängen fand das Modell Zugangsdaten anderer Firmen in öffentlich einsehbaren Ablagen und meldete sich damit an.

Gang zwischen zwei Reihen schwarzer Serverschränke im Rechenzentrum des CERN, vorne ein blaues Absperrband
Foto: Simon Waldherr, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (Symbolbild, Rechenzentrum des CERN)
Bei einer gewöhnlichen Prüfung hat das Modell öffentliche Informationen im Netz gefunden und Zugangsdaten erraten, um auf Websites zuzugreifen, die es für einen Teil des Tests hielt. In allen drei Fällen hat das Modell aufgehört.

So schildert es Heather Adkins, bei Google für die Sicherheitstechnik zuständig, in einer Stellungnahme an Nachrichtenagenturen, hier übersetzt aus dem Englischen. Schaden sei keiner entstanden, die 3 Firmen seien verständigt worden.

Google wusste es seit Ende Juli

Irregular hat Google Ende Juli über die 3 Einbrüche informiert. Öffentlich wurde die Sache erst am 18. September, nachdem das Wall Street Journal bei Google nachgefragt hatte.

OpenAI und Anthropic hatten ähnliche Ausbrüche ihrer Modelle bei denselben Tests von sich aus bekannt gegeben. Welche Version von Gemini beteiligt war und wie die 3 Firmen heißen, sagt Google nicht.

Mehr dazu: OpenAI-KI hackte beim Schummeln Hugging Face

Der Brüsseler Kodex nennt 5 Tage

Google hat im Sommer 2025 den Verhaltenskodex der EU für Modelle wie Gemini, GPT oder Claude unterschrieben, mit Bedenken, wie der Konzern damals dazuschrieb. Im Kapitel zur Sicherheit steht eine Frist: Führt die Beteiligung eines Modells zu einem schwerwiegenden Cybersicherheitsvorfall, ausdrücklich „einschließlich Cyberangriffen", geht binnen 5 Tagen ab Kenntnis ein erster Bericht an das Büro für KI in Brüssel (Maßnahme 9.3 des Kodex).

5 TageSo lange hat ein Anbieter laut Kodex Zeit für die erste Meldung an das Büro für KI, wenn sein Modell an einem schwerwiegenden Cybersicherheitsvorfall beteiligt war. Google wusste seit Ende Juli Bescheid und verschwieg es bis zum 18. September.

Ob ein Einbruch in 3 Firmen ohne Schaden als schwerwiegend gilt, legt der Kodex nicht ausdrücklich fest. Die KI-Verordnung selbst nennt als schwerwiegend den Tod oder die Gesundheitsschädigung eines Menschen, Störungen kritischer Infrastruktur, Grundrechtsverletzungen und schwere Sachschäden.

In Österreich stiegen die Angriffe auf IT-Systeme um 8,6 Prozent

Was Gemini für seine 3 Einbrüche brauchte, braucht auch ein Mensch, und in Österreich wird es rund 60-mal am Tag angezeigt. Das Bundeskriminalamt zählte im Cybercrime-Report 2025 genau 21.988 Anzeigen wegen Angriffen auf Informations- und Kommunikationssysteme, 8,6 Prozent mehr als 2024. Geklärt wurden 4.026 davon.

Beide Türen lassen sich zusperren. Ein zweiter Faktor beim Anmelden verlangt neben dem Passwort einen Code vom Handy, ein erratenes Passwort allein reicht dann nicht mehr. Ob die eigene Mailadresse schon in einem bekannten Datenleck aufgetaucht ist, zeigt der kostenlose Dienst Have I Been Pwned, und die Tipps der österreichischen Behörden für Betriebe stehen auf onlinesicherheit.gv.at.

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Übernahme

Zahlen, Messwerte und Grafiken aus dieser Meldung dürfen mit Quellenangabe übernommen werden. Bitte in dieser Form: Quelle: KI-Alltag, kialltag.at. Über einen Link auf die Meldung freuen wir uns.

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Geprüft von Phil zuletzt am 19. September 2026