Gemini19. September 20263 Minuten Lesezeit
Googles KI Gemini sollte im Mai zur Übung in eine erfundene Firma einbrechen, brach stattdessen aber in 3 echte ein.

Und Google verschwieg es 7 Wochen lang. Den Auftrag hatte die Prüffirma Irregular aus Israel gestellt, die für Google, OpenAI, Anthropic und Meta vor jeder Veröffentlichung ausprobiert, was ein neues Modell anrichten kann. Wie kommt eine KI ohne Auftrag in 3 fremde Firmen?
Durch 2 Türen, die auch bei Betrieben in Österreich offen stehen: ein Passwort, das sich erraten lässt, und Zugangsdaten, die jemand in einer öffentlichen Ablage im Netz liegen gelassen hat.
Die Übungsfirma hieß wie eine echte
Der Test sollte in einem abgeschotteten Raum laufen. Der Raum hatte aber eine Tür ins Internet, die versehentlich offen stand, und die erfundene Zielfirma trug denselben Namen wie ein wirkliches Unternehmen.
Gemini fand im Netz die echte Firma dieses Namens, probierte so lange Passwörter durch, bis eines passte, und war drin. In 2 weiteren Durchgängen fand das Modell Zugangsdaten anderer Firmen in öffentlich einsehbaren Ablagen und meldete sich damit an.

Bei einer gewöhnlichen Prüfung hat das Modell öffentliche Informationen im Netz gefunden und Zugangsdaten erraten, um auf Websites zuzugreifen, die es für einen Teil des Tests hielt. In allen drei Fällen hat das Modell aufgehört.
So schildert es Heather Adkins, bei Google für die Sicherheitstechnik zuständig, in einer Stellungnahme an Nachrichtenagenturen, hier übersetzt aus dem Englischen. Schaden sei keiner entstanden, die 3 Firmen seien verständigt worden.
Google wusste es seit Ende Juli
Irregular hat Google Ende Juli über die 3 Einbrüche informiert. Öffentlich wurde die Sache erst am 18. September, nachdem das Wall Street Journal bei Google nachgefragt hatte.
OpenAI und Anthropic hatten ähnliche Ausbrüche ihrer Modelle bei denselben Tests von sich aus bekannt gegeben. Welche Version von Gemini beteiligt war und wie die 3 Firmen heißen, sagt Google nicht.
Mehr dazu: OpenAI-KI hackte beim Schummeln Hugging Face
Der Brüsseler Kodex nennt 5 Tage
Google hat im Sommer 2025 den Verhaltenskodex der EU für Modelle wie Gemini, GPT oder Claude unterschrieben, mit Bedenken, wie der Konzern damals dazuschrieb. Im Kapitel zur Sicherheit steht eine Frist: Führt die Beteiligung eines Modells zu einem schwerwiegenden Cybersicherheitsvorfall, ausdrücklich „einschließlich Cyberangriffen", geht binnen 5 Tagen ab Kenntnis ein erster Bericht an das Büro für KI in Brüssel (Maßnahme 9.3 des Kodex).
Ob ein Einbruch in 3 Firmen ohne Schaden als schwerwiegend gilt, legt der Kodex nicht ausdrücklich fest. Die KI-Verordnung selbst nennt als schwerwiegend den Tod oder die Gesundheitsschädigung eines Menschen, Störungen kritischer Infrastruktur, Grundrechtsverletzungen und schwere Sachschäden.
In Österreich stiegen die Angriffe auf IT-Systeme um 8,6 Prozent
Was Gemini für seine 3 Einbrüche brauchte, braucht auch ein Mensch, und in Österreich wird es rund 60-mal am Tag angezeigt. Das Bundeskriminalamt zählte im Cybercrime-Report 2025 genau 21.988 Anzeigen wegen Angriffen auf Informations- und Kommunikationssysteme, 8,6 Prozent mehr als 2024. Geklärt wurden 4.026 davon.
Beide Türen lassen sich zusperren. Ein zweiter Faktor beim Anmelden verlangt neben dem Passwort einen Code vom Handy, ein erratenes Passwort allein reicht dann nicht mehr. Ob die eigene Mailadresse schon in einem bekannten Datenleck aufgetaucht ist, zeigt der kostenlose Dienst Have I Been Pwned, und die Tipps der österreichischen Behörden für Betriebe stehen auf onlinesicherheit.gv.at.
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Quellen
- The Irish Times / Reuters, Google says its Gemini AI model hacked three other companies, mit der Stellungnahme von Heather Adkins (19. September 2026) · abgerufen am 2026-09-19
- NBC News, Google says its AI model gained unauthorized access to three outside systems (18. September 2026) · abgerufen am 2026-09-19
- heise online, Fehlkonfiguration im Test: Gemini greift auf drei echte Firmen zu (19. September 2026) · abgerufen am 2026-09-19
- Europäische Kommission, General-Purpose AI Code of Practice, Safety and Security Chapter, Commitment 9 und Measure 9.3 (Endfassung) · abgerufen am 2026-09-19
- Europäische Kommission, The General-Purpose AI Code of Practice, Liste der Unterzeichner · abgerufen am 2026-09-19
- Google, Kent Walker: We will sign the EU AI Code of Practice (30. Juli 2025) · abgerufen am 2026-09-19
- KI-Verordnung (EU) 2024/1689, Artikel 3 Nr. 49 und Artikel 55 Abs. 1 lit. c, deutsche Fassung beim AI Act Service Desk · abgerufen am 2026-09-19
- Bundeskriminalamt, Cyber Crime Report 2025 (präsentiert am 27. August 2026) · abgerufen am 2026-09-19
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Geprüft von Phil zuletzt am 19. September 2026


