ChatGPT und Schule: Wiederkehr will Noten ändern

Bildungsminister Wiederkehr will wegen ChatGPT die Notenvergabe an Schulen anpassen. Was sich jetzt schon ändert und was noch offen ist.

Österreich6. September 2026aktualisiert am 5. September 20263 Minuten Lesezeit

Der Bildungsminister will wegen ChatGPT die Notenvergabe an Schulen ändern, und ich habe mir angesehen, was das für dich als Elternteil oder Schüler heißt.

Bildungsminister Christoph Wiederkehr bei einer Bundesratssitzung im Parlament
Bild: Bernhard Holub, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Christoph Wiederkehr (Neos) hat es am 5. September öffentlich gesagt. Er sieht Anpassungsbedarf bei der Leistungsbeurteilungs­verordnung (LBVO). Schulen sollen flexibler und autonomer benoten können. Ändert sich jetzt schon etwas am Zeugnis? Nein. "Erste Überlegungen" gibt es im Ministerium, mehr nicht, das Thema muss noch mit der Koalition abgestimmt werden.

Ich habe das gegen unsere eigene Recherche zum neuen Schulfach geprüft, damit hier nichts durcheinandergerät: Das im Juli beschlossene Fach Informatik und Künstliche Intelligenz ist ein fertiges Gesetz, ab Herbst 2027 in der AHS-Oberstufe. Die Sache mit der Notengebung ist etwas ganz anderes: kein Gesetz, kein Termin, nur eine Ankündigung des Ministers. Wer das verwechselt, hält für entschieden, was noch offen ist.

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Die Hausübung verliert ihren Sinn, das Gespräch gewinnt

Warum überhaupt diese Diskussion? Wiederkehr sagt es selbst so: Hausaufgaben hätten durch KI weniger Bedeutung als früher, weil sie sich mit ChatGPT in Sekunden erledigen lassen. Im Gegenzug werde das mündliche Abprüfen, Argumentieren, Präsentieren und Diskutieren im Klassenzimmer wichtiger.

"Dort ist es auch wesentlich schwieriger, zu schummeln", so der Minister. Klingt einleuchtend, hat aber einen Haken.

AHS-Lehrergewerkschafter Georg Stockinger (FCG) hat kürzlich kritisiert, dass Lehrkräfte nicht einmal einzelne Hausübungsbeispiele im Unterricht nachrechnen lassen dürfen. Genau diese Regel müsste also als Erstes fallen, bevor sich am Unterricht wirklich etwas ändert.

Am 6. November kommt die neue Linie fürs ganze Land

Parallel dazu arbeitet das Ministerium an einer neuen KI-Strategie für Schulen, die am 6. November erscheinen soll. Die letzte Version stammt aus 2023, uralt gemessen an dem, was ChatGPT seitdem kann.

Ein Beirat aus Schüler-, Eltern- und Lehrervertretung soll mitreden. Wiederkehrs Linie dafür beschreibt er so: erst über KI lernen, dann mit KI lernen, nicht umgekehrt.

Das hat er schon im April in einem Interview genauso gesagt, dort auch mit einem ungewöhnlich ehrlichen Satz zur Wirkung von KI auf Testergebnisse: "Wir sind hier voll im Nebel."

Wie groß der Rückhalt für Wiederkehrs Kurs ist, zeigt eine internationale Ipsos-Umfrage von Ende August: 34 Prozent der Österreicher wären für ein KI-Verbot an Schulen, fast die Hälfte lehnt es ab. Beim Handy sind es 62 Prozent dafür, bei Social Media unter 14 sogar 72 Prozent.

Bis zur neuen KI-Strategie im November und einer möglichen Änderung der LBVO bleibt für dich als Elternteil oder Lehrkraft nur eines sicher: Am aktuellen Zeugnis ändert sich heuer noch nichts.

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Geprüft von Phil zuletzt am 5. September 2026