Werkzeuge21. September 20263 Minuten Lesezeit
DeepSeek hat am 10. September 2026 ein neues Modell namens V4.1 Flash freigegeben, das Bilder versteht, Texte von rund 1.500 Seiten am Stück verarbeitet und zum Herunterladen frei ist. 9 Tage später war es das meistgenutzte Modell auf OpenRouter, einem Marktplatz, über den Programmierer die Modelle vieler Anbieter abrufen. Holen DeepSeek und Kimi damit Anthropic und Claude ein?

Bei der Nutzung haben sie Claude dort überholt, bei der Qualität liegt Claude weiter vorn. In der Woche bis 19. September liefen auf OpenRouter 22,6 Prozent aller Anfragen über DeepSeek und 2,5 Prozent über Claude. In der Rangliste von Artificial Analysis, die alle Modelle mit denselben Aufgaben prüft, steht Claude Fable 5.1 mit 53 Punkten ganz oben, Kimi K3 hat 44, das neue DeepSeek 39.
Claude kostet das 83-Fache von DeepSeek
Der Preisabstand ist geblieben. Die Anbieter rechnen in Wortteilen ab, Tokens genannt, und eine Million davon sind ungefähr 1.500 Seiten Text. So viel kostet diese Textmenge als Antwort, in Euro umgerechnet:
- DeepSeek V4.1 Flash aus Hangzhou: 0,52 Euro, an Werktagen vormittags 1,05 Euro. 39 Punkte in der Rangliste, zum Herunterladen frei.
- Kimi K3 von Moonshot AI aus Peking: 13,09 Euro. 44 Punkte, zum Herunterladen frei.
- Claude Fable 5.1 von Anthropic aus San Francisco: 43,63 Euro. 53 Punkte, nur über Anthropic nutzbar.
Claude verlangt für dieselbe Textmenge also 83-mal so viel wie DeepSeek und 3-mal so viel wie Kimi. In der Rangliste von Artificial Analysis liegt Claude dafür 14 Punkte vor DeepSeek und 9 Punkte vor Kimi. Wer eines der chinesischen Modelle herunterlädt und auf eigenen Rechnern laufen lässt, zahlt für die Antworten gar nichts und schickt keine Daten nach China; bei Claude geht das nicht.

Der Sprung von DeepSeek kommt vom Preis. Das Vorgängermodell V4 Pro kostet gut 3-mal so viel und liegt in derselben Rangliste sogar 3 Punkte tiefer. Die Nutzer auf OpenRouter sind innerhalb einer Woche umgestiegen: Das neue Modell verarbeitete dort 14,6 Billionen Wortteile, viermal so viel wie in der Woche davor.
Anthropic wirft den Chinesen Abschreiben vor
Anthropic wehrt sich seit Februar mit Vorwürfen. Am 23. Februar 2026 schrieb die Firma, DeepSeek, Moonshot AI und MiniMax hätten über 24.000 gefälschte Konten mehr als 16 Millionen Mal mit Claude gesprochen, um mit den Antworten ihre eigenen Modelle zu trainieren.
Wir haben Destillationsangriffe im industriellen Maßstab auf unsere Modelle durch DeepSeek, Moonshot AI und MiniMax festgestellt.
So Anthropic, aus dem Englischen übersetzt. Destillation heißt: Man stellt einem fremden Modell Millionen Fragen und bringt dem eigenen bei, genauso zu antworten. Der Vorwurf stützt sich auf Anthropics eigene Auswertung.
Am Rechtsrahmen in Europa ändert das nichts. Auf der Liste der Firmen, die den Verhaltenskodex der EU-Kommission für große Modelle unterschrieben haben, stehen Anthropic, OpenAI, Google, Microsoft, Amazon und Mistral. DeepSeek, Moonshot und Alibaba fehlen. Die Pflichten aus Artikel 53 der KI-Verordnung gelten trotzdem für jeden, der so ein Modell in der EU anbietet, mit oder ohne Unterschrift.
Mehr dazu: DeepSeek: 15-mal günstiger als GPT-5.5
Wo der Preis zählt, gewinnt China, wo der Name zählt, Anthropic
Verdrängen sie Anthropic bald? Auf OpenRouter, wo Programmierer jede Anfrage einzeln bezahlen und das Modell frei wählen, ist das schon passiert: 3 der 10 meistgenutzten Modelle kommen von DeepSeek, keines von Anthropic. OpenRouter schreibt selbst dazu, die Zahlen zeigen die Nutzung über den Marktplatz, nicht den ganzen Markt und nicht die eigenen Zugänge der Anbieter.
Genau dort sitzt Anthropic. Wer Claude im Büro als Abo nutzt, zahlt einen festen Monatsbetrag statt je Antwort, und für diese Kunden ist der Preis je Wortteil nebensächlich. Ob China dort ankommt, entscheidet sich an 2 Dingen: an den 9 bis 14 Punkten, die Kimi und DeepSeek in der Rangliste auf Claude fehlen, und daran, ob europäische Firmen ihre Daten einem Anbieter mit Sitz in Hangzhou oder Peking anvertrauen. Die österreichische Datenschutzbehörde verweist bei DeepSeek weiter auf den laufenden Austausch mit den Behörden in der EU.
Wer eine Übersetzung, eine Zusammenfassung oder einen Brief braucht, bekommt sie von DeepSeek oder Kimi für ein paar Cent, und wer das Modell selbst laufen lässt, behält alle Daten im Haus. Wer die beste Antwort auf eine schwierige Frage will und dafür zahlt, bleibt vorerst bei Claude.
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Quellen
- OpenRouter, LLM Rankings, Nutzungsdaten bis 19. September 2026 (CC BY 4.0) · abgerufen am 2026-09-20
- DeepSeek API Docs, Change Log, Eintrag DeepSeek-V4.1-Flash vom 10. September 2026 · abgerufen am 2026-09-20
- DeepSeek API Docs, Models & Pricing · abgerufen am 2026-09-20
- Hugging Face, Modellkarte deepseek-ai/DeepSeek-V4.1-Flash · abgerufen am 2026-09-20
- Moonshot AI, Kimi Platform, Preise · abgerufen am 2026-09-20
- Artificial Analysis, Intelligence Index: Claude Fable 5.1, Kimi K3, DeepSeek V4.1 Flash, DeepSeek V4 Pro · abgerufen am 2026-09-20
- Anthropic, „Detecting and preventing distillation attacks“ vom 23. Februar 2026 · abgerufen am 2026-09-20
- Europäische Kommission, The General-Purpose AI Code of Practice, Liste der Unterzeichner · abgerufen am 2026-09-20
- KI-Verordnung (EU) 2024/1689, Artikel 53, deutsche Fassung beim AI Act Service Desk · abgerufen am 2026-09-20
- Datenschutzbehörde, Information der Datenschutzbehörde zu „DeepSeek“ · abgerufen am 2026-09-20
- Europäische Zentralbank, Euro-Referenzkurs USD vom 18. September 2026 (1,1460) · abgerufen am 2026-09-20
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Geprüft von Phil zuletzt am 21. September 2026


