ChatGPT in Word: dein Text darf ins Training

Seit 17. September steckt ChatGPT in Word, auch mit dem Gratiskonto. Auf den Privatplänen ist das Training mit den Eingaben aber voreingestellt.

ChatGPT18. September 20263 Minuten Lesezeit

Seit 17. September steckt ChatGPT als Seitenleiste in Microsoft Word, auch mit dem Gratiskonto. Was passiert mit dem Vertrag, der dabei im Dokument offen liegt? Auf 4 der 8 Pläne, mit denen die Erweiterung läuft, ist das Training mit den Eingaben voreingestellt. Der Schalter dagegen sitzt nicht in Word.

Microsoft Word mit geöffneter Geheimhaltungsvereinbarung, rechts die ChatGPT-Seitenleiste, die 11 Felder des Vertrags ausgefüllt hat
Bild: OpenAI

OpenAI hat die Erweiterung am 17. September in den Versionshinweisen zu ChatGPT angekündigt. Sie schreibt aus Notizen einen Entwurf und fasst ein Dokument zusammen. Markierte Stellen überarbeitet sie, Überschriften und Formatierung passt sie an. Word kommt damit zu Excel und PowerPoint dazu, alle drei laufen über dasselbe Add-in aus dem Microsoft Marketplace.

Laut Eintrag im Marketplace läuft die Erweiterung auf 8 Plänen: Business, Enterprise, Edu und K-12 für Firmen und Schulen, dazu Free, Go, Plus und Pro für Privatpersonen. Zum Start reicht ein Konto bei ChatGPT, auch das kostenlose, mit den Nutzungsgrenzen des jeweiligen Plans.

Inhalte werden zum Training unserer Modelle verwendet

So steht es auf OpenAIs Preisseite in der Zeile Datenschutz bei Free, Go, Plus und Pro, daneben „Abmeldung möglich“. Die Seite zur Datenverwendung sagt es genauer: Bei den Diensten für Privatpersonen darf OpenAI die Inhalte zum Training der Modelle verwenden. Bei Business, Enterprise und der Programmierschnittstelle ist das standardmäßig ausgeschaltet.

Eine Frau im Blazer tippt am Abend an einem Laptop, daneben eine rote Tasse und ein aufgeschlagenes Notizbuch
Foto: Shixart1985, Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Für den Alltag heißt das: Wer mit dem Gratiskonto ein Angebot, eine Kündigung oder einen Mietvertrag in Word zusammenfassen lässt, hat den Text an OpenAI geschickt, und dort darf er ins Training. Der Marketplace beschreibt es so: Chats, Anhänge und Dokumentinhalte können an Microsoft und OpenAI gehen, damit die Erweiterung die Datei lesen und ändern kann.

Der Schalter gegen das Training sitzt in ChatGPT

Die Erweiterung hält sich laut Marketplace an die Trainingseinstellung des Kontos bei ChatGPT. Ausschalten geht dort unter Einstellungen, Datenkontrollen, Punkt Improve the model for everyone, oder im Datenschutzportal von OpenAI mit „Do not train on my content“. Danach werden neue Unterhaltungen nicht mehr zum Training verwendet, so steht es auf der Seite von OpenAI.

Die Chats in der Seitenleiste laufen getrennt von chatgpt.com und tauchen im Verlauf dort nicht auf, die Erinnerungsfunktion fehlt in der Erweiterung ganz. Und OpenAI warnt selbst: ChatGPT kann in der Datei Inhalte ändern oder löschen, wenn eine Anweisung unklar ist.

Verantwortlich bleibt der Betrieb, sagt die Datenschutzbehörde

Für einen Betrieb in Österreich, der Kundennamen, Adressen oder Gehälter in Word stehen hat, kommt die DSGVO dazu. Die österreichische Datenschutzbehörde beantwortet in ihren Fragen und Antworten zu KI die Frage, ob man die DSGVO auch einhalten muss, wenn man das KI-System nicht selbst entwickelt hat, mit einem Wort: Ja.

Bei der Verwendung „fremder“ Systeme ist insbesondere darauf zu achten, ob die Verwendung eines solchen Systems dazu führt, dass personenbezogene Daten auch an den Hersteller des Systems (oder andere Dritte) übermittelt werden. Dies könnte zu unrechtmäßigen Datenoffenlegungen oder auch zur Preisgabe von Geschäftsgeheimnissen führen.

Die Behörde empfiehlt, das vorher zu prüfen und intern festzulegen, welche Daten in so ein System dürfen. Für Datenschutzfragen rund um KI ist sie in Österreich zuständig, eine Beschwerde geht dorthin.

21 Euroje Person und Monat kostet ChatGPT Business bei jährlicher Zahlung, 26 Euro bei monatlicher, laut Preisseite von OpenAI.

OpenAI bietet diesen Plan Business für Betriebe ab 2 Benutzern an, so die Preisseite. Dort ist das Training mit Geschäftsdaten ausgeschaltet, und OpenAI schließt laut seiner Seite zum Datenschutz für Firmen auf Anfrage einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung ab, wie ihn Artikel 28 DSGVO für solche Dienstleister vorsieht.

Erst der Schalter, dann der Vertrag

Wer die Erweiterung privat nutzt, schaltet vor dem ersten Dokument das Training im Konto aus, der Weg steht oben. Wer sie im Betrieb nutzt, legt vorher fest, welche Dateien hinein dürfen, oder nimmt gleich den Plan Business. Und vor jedem Durchlauf, der die Datei ändern soll, eine Kopie speichern, weil die Änderung laut OpenAI auch danebengehen kann.

Liest du hier öfter? KI-Alltag bei Google als bevorzugte Quelle setzen, dann taucht die Seite in deinen Suchergebnissen weiter oben auf.

Übernahme

Zahlen, Messwerte und Grafiken aus dieser Meldung dürfen mit Quellenangabe übernommen werden. Bitte in dieser Form: Quelle: KI-Alltag, kialltag.at. Über einen Link auf die Meldung freuen wir uns.

Grafiken in Druckgröße, die Rohdaten hinter den Messungen und Rückfragen zur Methode: kontakt@kialltag.at

Geprüft von Phil zuletzt am 18. September 2026