Gemini12. Oktober 20263 Minuten Lesezeit
Forscher des Instituts IMDEA Networks in Madrid haben 9 KI-Dienste im Browser und als App für Android vermessen, darunter ChatGPT, Gemini, Claude und Grok. Bei 6 von 9 Diensten geht im Browser die Adresse oder die Überschrift eines Gesprächs an Werbe- und Analysefirmen. Verrät so eine Überschrift wirklich etwas?

Ja, denn die Dienste fassen darin die Frage zusammen.
Aus der Frage, wie viel Kredit sich mit 85.000 Dollar Gehalt ausgeht, machte Grok eine Zeile mit Gehalt und Kreditrahmen. Das ganze Gespräch bleibt bei den meisten Diensten aber unter Verschluss. Bei Grok ist jeder Link von Haus aus öffentlich, bei Perplexity jeder ohne Konto.
Gemessen wurde im Mai 2026 in Spanien, mit Fragen zu Gesundheit und Geld, einmal ohne Konto, einmal gratis und einmal im Bezahltarif. Die Studie erscheint 2027 in der Fachreihe Proceedings on Privacy Enhancing Technologies.

Alle 9 Dienste binden mindestens eine Werbe- oder Analysefirma ein, insgesamt zählten die Forscher 44 solcher Firmen. Am häufigsten dabei ist Google, danach kommen Sentry, Meta, Datadog und Intercom.
Die Überschriften entstehen automatisch, sobald ein Gespräch beginnt. Aus der Frage nach frühen Anzeichen von Parkinson wurde bei ChatGPT, Claude und Grok jeweils eine Zeile, in der Parkinson steht.
Gemini meldet die Überschrift an Google Analytics, Grok an Meta und TikTok
Gemini schickt Überschrift und Adresse des Chats zum Zähldienst Google Analytics, der zum eigenen Konzern gehört. Grok, die KI von Elon Musks Firma xAI, verteilt die Überschrift an Meta, TikTok, Googles Werbenetz und weitere Dienste, samt Cookies, über die diese Firmen einen Nutzer wiedererkennen. Wer dort ein Gespräch teilt, öffnet es zusätzlich: TikTok erfasst ein Bildschirmfoto, TikTok und Meta erhalten die letzte Frage.
Le Chat von Mistral gibt die Überschrift an Intercom weiter, ein Werkzeug für den Kundendienst. ChatGPT und Claude geben keine Überschrift hinaus, wohl aber die Kennnummer des Chats an den Fehlerprotokolldienst Datadog.
Claude schaltet nach dem Nein zu Cookies 11 Werbedienste ab
Wer im Cookie-Banner nur das Notwendige erlaubt, ist bei Claude die Weiterleitung an 11 Werbeplattformen los. 8 von 9 Wegen, über die eine Überschrift hinausgeht, öffnen sich überhaupt erst, wenn jemand im Banner alles akzeptiert. Bei 4 der 9 Gratisdienste sammeln die Tracker aber trotzdem weiter, also die Zählpixel und Skripte der Werbefirmen. Ein Bezahltarif ändert daran fast nichts, gratis und bezahlt treffen dieselben Firmen. Nur im Bezahltarif von ChatGPT merkt sich der Dienst die Wahl bei den Cookies dauerhaft.
Aniketh Girish, einer der Autoren, im Mai, aus dem Englischen übersetzt:
„Nicht notwendige Cookies abzulehnen hilft in manchen Fällen, aber unsere Untersuchung zeigt, dass das nicht immer reicht.“
Die Apps für Android verhielten sich anders. Sie schickten keine Überschriften hinaus, dafür Gerätekennungen, die App von Claude auch den Standort an die Betrugsprüfung Sift Science.
Beim Chatbot die Links sperren und die Cookies ablehnen
- Im Cookie-Banner nur das Notwendige erlauben. Bei ChatGPT steht die Wahl ganz unten in der Fußzeile unter Cookie Preferences.
- Gespräche nicht teilen und alte Freigaben zurücknehmen. Bei Grok sind die Links von Haus aus öffentlich, das lässt sich in den Einstellungen abschalten.
- Heikle Fragen zu Gesundheit oder Geld eher in der App stellen als im Browser. Die Überschriften gingen in der Studie nur aus dem Browser hinaus.
Die Datenschutzbehörde in Wien nimmt Beschwerden auch gegen Firmen in Irland an
Die Forscher haben die Datenschutzbehörden der EU am 13. April informiert. Die spanische Behörde AEPD hat den Befund am 27. Mai an den Europäischen Datenschutzausschuss weitergereicht, damit ihn alle Behörden prüfen.
Wer in Österreich wohnt, kann sich an die Datenschutzbehörde in Wien wenden, auch wenn der Anbieter wie OpenAI seinen Sitz in der EU in Irland hat. Die Behörde nimmt die Beschwerde an und arbeitet mit der irischen Partnerbehörde zusammen, die Frist beträgt 1 Jahr ab Kenntnis. In der Datenschutzerklärung von OpenAI für die EU vom 24. August steht dazu:
„Wenn Sie im Europäischen Wirtschaftsraum ansässig sind, können Sie sich an die Irish Data Protection Commission als unsere federführende Aufsichtsbehörde oder an Ihre örtliche Aufsichtsbehörde wenden.“
Zu den Empfängern heißt es in derselben Erklärung nur allgemein „Anbieter von Webanalysediensten“. Für die Konten Free und Go erfasst OpenAI zudem den Werbeverlauf, denn seit Ende August laufen in ChatGPT auch in Österreich Anzeigen.
KIplatz setzt keine Tracker ein und zeigt keine Werbung
Dass es auch anders geht, zeigt KIplatz, die kostenlose KI-Alternative aus Österreich.
Sie gehört der Community und läuft auf den PCs der Mitglieder statt in einem Rechenzentrum.
Die Gespräche bleiben am eigenen Handy und PC.
Am Server in Wien liegen sie nicht, und der PC, der eine Frage beantwortet, weiß nicht, wer gefragt hat.
Eine Probefrage auf der Startseite geht ohne Konto, gespeichert wird sie nicht. Die Website setzt keine Cookies, zählt Seitenaufrufe, ohne zu wissen, wer da war, und hat keine Verbindung zu Google oder zu sozialen Netzwerken. Werbung gibt es keine, Daten für Dritte auch nicht. Was mit einer Frage geschieht, steht in der Datenschutzseite von KIplatz, und wer nachfragt, erfährt per Mail, ob eine eigene Frage in der Lernliste steht.
- IMDEA Networks: Prompt like a Butterfly, Sting like a Tracker (PoPETs 2027, PDF) · abgerufen am 2026-10-12
- IMDEA Networks: Your conversations with AI may not be as private as you think (6. Mai 2026) · abgerufen am 2026-10-12
- AEPD: Pressenotiz zur Weitergabe der Studie an den Europäischen Datenschutzausschuss (27. Mai 2026) · abgerufen am 2026-10-12
- Datenschutzbehörde: Beschwerde einbringen · abgerufen am 2026-10-12
- OpenAI: EU-Datenschutzrichtlinie (Stand 24. August 2026) · abgerufen am 2026-10-12
- OpenAI Hilfe: How can I change my cookie settings? · abgerufen am 2026-10-12
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Geprüft von Phil zuletzt am 12. Oktober 2026


