Uni Wien: KI-Websuche als Lücke

Die Uni Wien bewirbt ihre KI-Plattform u:ai als datenschutzsicher. Wer die Websuche nutzt, verlässt damit selbst den geschützten Rahmen.

Österreich10. September 20263 Minuten Lesezeit

Hauptgebäude der Universität Wien an der Ringstraße
Foto: Grayswoodsurrey, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

32 österreichische Hochschulen bieten ihren Studierenden einen eigenen Zugang zu KI-Diensten namens "Academic AI" an, an der Universität Wien heißt er u:ai.

Beworben wird er als sicherer Ersatz für ChatGPT, weil alle Daten in der EU bleiben und nichts davon ins Training einfließt. Was in der Werbung fehlt: Ein einziger Klick reicht, um genau dieses Versprechen für den gesamten bisherigen Chat aufzuheben.

Der Klick heißt Internetsuche. Weil u:ai nur Wissen bis Oktober 2024 hat, muss sie eingeschaltet werden, sobald jemand etwas Aktuelles wissen will, etwa eine neue Studie oder eine geänderte Prüfungsordnung.

Genau das steht auch auf der eigenen Hilfeseite der Universität Wien so: "Bei aktivierter Internetsuche wird der gesamte bisherige Chatverlauf als Kontext verwendet. Das heißt, dass personenbezogene oder vertrauliche Daten, die in diesem Chat verwendet wurden, das geschlossene System von u:ai verlassen. Dann ist die Datenschutzkonformität nicht mehr vollständig gegeben."

Die Universität rät deshalb selbst dazu, für die Internetsuche einen neuen Chat zu starten und niemals personenbezogene Inhalte im selben Fenster zu verwenden. Diese Warnung steht allerdings erst im Kleingedruckten der Hilfeseite, nicht in der Kurzbeschreibung, mit der u:ai als datenschutzkonformer Zugang beworben wird.

Wer eine Bachelorarbeit mit eigener Datenerhebung im selben Chat bespricht und danach eine aktuelle Quelle nachschlagen will, riskiert genau den Datenabfluss, den der Zugang eigentlich verhindern sollte.

Mehr dazu: Was ist ChatGPT?

20 Euro im Monat, kein Übertrag

Betrieben wird Academic AI vom Dienstleister ACOmarket, gemeinsam mit Microsoft Österreich und KPMG Austria, auf einer abgeschotteten Umgebung von Microsoft Azure.

Studierende der Universität Wien bekommen darüber ein monatliches Guthaben von 20 Euro für Anfragen, ein persönliches Abo von ChatGPT Plus kostet zum Vergleich aktuell rund 23 Euro im Monat. Ist das Guthaben aufgebraucht, geht es erst im Folgemonat weiter, ein Übertrag ist nicht vorgesehen.

Die Kennzeichnungspflicht gilt unabhängig vom Werkzeug

Ein Werkzeug der eigenen Universität ändert nichts an der Grundregel: Wer eine Antwort der KI unverändert als eigene Leistung abgibt, begeht eine Täuschung, unabhängig davon, welches Werkzeug dahintersteckt.

Der missbräuchliche Einsatz von KI zählt seit 1. Juli 2024 ausdrücklich als wissenschaftliches Fehlverhalten, geregelt in § 2a Abs. 3 Z 2 des Hochschul-Qualitätssicherungsgesetzes.

Wer eine Abschlussarbeit mit Unterstützung durch KI schreibt, muss laut den Richtlinien der Universität Wien angeben, welches System zu welchem Zweck verwendet wurde, unabhängig davon, ob dafür der eigene Zugang oder ein kommerzielles Werkzeug zum Einsatz kam.

Wer den Uni-Zugang trotzdem nutzt, fährt mit einer einfachen Regel sicherer: Vor jeder Websuche einen neuen Chat öffnen, wie es die Universität selbst rät, und persönliche oder urheberrechtlich heikle Inhalte nie im selben Fenster wie eine eingeschaltete Websuche eintippen.

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Quellen

Übernahme

Zahlen, Messwerte und Grafiken aus dieser Meldung dürfen mit Quellenangabe übernommen werden. Bitte in dieser Form: Quelle: KI-Alltag, kialltag.at. Über einen Link auf die Meldung freuen wir uns.

Grafiken in Druckgröße, die Rohdaten hinter den Messungen und Rückfragen zur Methode: kontakt@kialltag.at

Geprüft von Phil zuletzt am 10. September 2026